Lukas Hradecky im Interview

»Wir sind die Schmetterlinge!«

Lukas Hradecky feierte mit Eintracht Frankfurt den Pokalsieg – bis er im Schnellimbiss einschlief. Auch in Leverkusen sorgte der Ausnahmetorwart bereits für eine »legendärische« Radtour

Norman Konrad

Lukas Hradecky, Ihr Vater war Volleyballspieler. Ihre beiden Brüder sind Fußballprofis. Wie muss man sich Ihre Kindheit im Hause Hradecky vorstellen?

Wir waren den ganzen Tag draußen und haben Wettbewerbe veranstaltet, sei es im Eishockey, Tischtennis oder Fußball. Das war auch ein Baustein dafür, dass wir alle Profis geworden sind. Mir klingt noch immer die Stimme meiner Mutter im Ohr: »Jungs, kommt rein, es wird dunkel und wir essen jetzt!« Wir können von Glück sagen, in dieser Zeit aufgewachsen zu sein. Damals war »Stubenarrest« noch eine Strafe, fast wie eine Folter. Heute musst du den Kindern schon das iPhone wegnehmen.

Sind Sie auch zu den Spielen Ihres Vaters gefahren?

Ich ja, aber meine jüngeren Brüder nicht mehr. Als ich zehn Jahre alt war, hat er aufgehört. Er spielte semi-professionell und arbeitete noch nebenbei als Kfz-Mechaniker. Die Lebensqualität war damals in Finnland noch etwas höher als in der Slowakei. Deswegen ist er auch mit uns dorthin gezogen. Ich habe mir schon oft die Frage gestellt: Wärst du Fußballprofi geworden, wenn wir in der Slowakei geblieben wären? Die Bedingungen wären in jedem Fall schwieriger gewesen.

Hat Ihr Vater Sie nicht dazu gedrängt, Volleyball statt Fußball zu spielen?

Nein, gar nicht. Wir hatten die freie Wahl. Ich habe als Kind Volleyball gespielt, in der sechsten Liga. Aber Fußball war immer meine Nummer eins. Damit hatte mein Vater gar nichts am Hut. Wenn Sie ihn einen Ball schießen sehen, würden Sie sich auch direkt fragen: Wie können seine Söhne nur Fußballprofis geworden sein? Er kann nicht viel mit den Füßen, dafür umso mehr mit den Händen. Das immerhin habe ich von ihm gelernt.

Warum ist er heute Ihr Berater, wenn er so wenig vom Fußball versteht?

Ganz einfach: Sein Leben hat ihn gelehrt, wie die Welt funktioniert. Er ist in ein fremdes Land gezogen, dessen Sprache er fast gar nicht verstand. Seine Jugend in der Slowakei muss nicht so einfach gewesen sein. Aber er will nicht so viel darüber sprechen. Doch dass er auch diese wohl harten Umstände durchgestanden hat, hat ihm unglaublich viel Lebenserfahrung vermittelt. Er lässt sich als Berater nicht beeindrucken und will nur das Beste für mich. Da ist so mancher Berater anders gepolt. Bei ihm bin ich mir sicher: Wenn er flunkert, dann kriege ich das schon früher oder später raus. (Lacht.)

Wie ist es, wenn der Vater der eigene Berater ist?

Als wir in der letzten Saison mit der Eintracht verhandelt haben, war es eine schwierige Zeit für uns beide. Da kam ein gewisser Druck von den Fans, den Medien, den Vereinen – alles auf einmal. Da konnten wir Berufliches und Privates nicht mehr trennen. Die Presse hat zum Teil Lügen über ihn in die Welt gesetzt. Ich war nervös, aber ihn hat das alles nicht gekümmert. Er sagte: »Lukas, konzentrier dich auf deine Arbeit, ich mache den Rest.« So konnte ich meine beste Saison spielen.

Man merkt, dass Sie diese Zeit mitgenommen hat.

Schauen Sie, es wurde von manchen Fans und Medien verbreitet, dass ich mit der Eintracht extra gegen Leverkusen verliere, weil ich dorthin wechsele. Das ist so ein Wahnsinn und tut unglaublich weh. Ich bin sonst kein Typ fürs Grübeln, aber in diesem Frühjahr haben mich die Gerüchte belastet. Beim Spiel in Bremen habe ich dann auch schwer gepatzt. Immerhin konnte ich mit einem lockeren Spruch etwas Druck aus der Sache nehmen. Ich sagte: »Wenn ich so halte, dann will mich sowieso kein Verein mehr.«