Lewis Holtby über Abstiege

»Es ist vieles schiefgelaufen«

Mit dem HSV durchlebt Lewis Holtby nicht zum ersten Mal in seiner jungen Karriere eine Dürreperiode. Wie ist das passiert?

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Lewis Holtby, die Saison des HSV verläuft eher nicht so gut. Ist am Ende trotzdem der Pimmel dick?
Sie spielen auf meinen Spruch von 2012 an, nachdem wir mit Mainz ein Spiel gegen Schalke gedreht hatten. Meine besten Kumpels spielen alle für Gerderath – das Dorf, aus dem ich komme. Sie sind damals aus der Kreisklasse aufgestiegen und wir haben T-Shirts mit dem Spruch drucken lassen. Wenn du eine schlechte Phase hast und diese bewältigst, dann passt der Spruch einfach. Und ich glaube, dass er auch beim HSV passt.

Das passt zu Ihrem Bild als positiv denkender Mensch. Gibt es auch mal Tage, an denen bei Ihnen die Luft raus ist?
Natürlich bin ich nicht 365 Tage im Jahr gut gelaunt. Wenn in einem Spiel nichts funktioniert, fällt man danach kurz in ein Loch. Ich versuche dann immer, dankbar zu sein und nicht über das zu meckern, was ich nicht erreicht habe. Es geht im Leben darum, das Beste aus dem zu machen, was man hat.

War die Heimniederlage am vergangenen Spieltag im Schlüsselspiel gegen Hertha BSC so ein Tag?
Ja, nach so einem Spiel ist man zunächst einmal down. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und wir haben noch immer alles in der Hand. Was also die nächsten Spiele betrifft: Wir werden es schaffen, in der Bundesliga zu bleiben.

Für was waren Sie nach der Niederlage dankbar?
In so einem Fall ist es immer die Gesundheit. Ich bin nach meiner schweren Schlüsselbeinverletzung relativ schnell zurückgekommen und durfte dann auch wieder spielen. Auch wenn man ein Fußballspiel verliert: Das Leben ist trotzdem noch sehr schön.

Denken Sie manchmal an Ihre Zeit bei Mainz zurück?
Ich halte mich nicht an der Vergangenheit fest, aber das war natürlich eine super Zeit. Ich war jung und unbekümmert. Wir hatten einen guten Plan, wie wir Fußball spielen wollten und hatten so gut wie gar keinen Druck. Der Trainer hat auf mich gesetzt und wir waren eine eingeschworene Truppe. Das können wir mit Hamburg auch schaffen.

Hat man es in sportlich schlechten Phasen als extrovertierter Spieler schwerer?
Medien werden sowieso immer kritischer. Davon darf man sich nicht verrückt machen lassen. Ich sehe es so: Das Wichtigste ist, Kritik richtig einzuordnen und wenn sie berechtigt ist, es im richtigen Moment wieder gut zu machen. Das lerne ich gerade und es gelingt mir gut.

In England lief es für Sie nicht nach Plan. Bei Tottenham waren Sie oft Ersatz, mit Fulham sind Sie abgestiegen. Was haben Sie aus dieser Zeit gelernt?
Ich habe gelernt, auf dem Platz egoistischer zu sein. Auch wenn Fußball ein Mannschaftssport ist: Man muss auch einmal alles ausblenden und alleine etwas probieren. 

Welche Fehler haben Sie beim HSV bisher gemacht?
Ich bin unter meiner Qualität geblieben. Mein Zug zum Tor war nicht der beste. Und wenn ich an einer Chance beteiligt war, dann ging das Ding nicht rein. In der Rückrunde wollte ich es besser machen und habe mir dann leider das Schlüsselbein gebrochen. Dadurch verliert man viel Spielwitz und Selbstvertrauen. Es braucht außerdem Zeit, bis man wieder mit komplett freiem Kopf in die Zweikämpfe gehen kann.