Lajos Detari über seine Karriere

»Ein seltsames Konstrukt«

Trotzdem war Olympiakos sportlich ein Rückschritt. Hat Sie also das Geld nach Griechenland gelockt?
Natürlich bekam ich dort einen besseren Vertrag. Aber der Druck war noch größer als in Frankfurt. Ich war plötzlich einer der teuersten Spieler aller Zeiten. Teurer als Ruud Gullit.

Sie sollen bei Olympiakos so viel verdient haben wie die komplette Eintracht-Mannschaft.
Es war etwa drei bis vier Mal so viel, wie ich in Frankfurt bekommen habe. Aber ganz ehrlich: Ich wollte nie nach Griechenland, aber auch bei diesem Transfer hatte ich nichts zu melden. Der ungarische Verband delegierte mich dorthin. Am liebsten wäre ich nach Turin gegangen, da hatte ich bereits einen Vorvertrag unterschrieben.

Die geplatzten Vorverträge ziehen sich durch Ihre Karriere.
Juventus wollte leider nur 13 Millionen Mark zahlen, weshalb der Wechsel nicht zustande kam. Aber zwei Jahre später, 1990, ging ich nach Italien. Es war wieder ein seltsames Konstrukt. Ich weiß bis heute nicht, an wen mich der Verband verkaufte.

Zumindest spielten Sie für den FC Bologna.
Aber ich glaube, dass Juventus oder der SSC Neapel mit drinsteckten. Ich spielte vom ersten Tag an quasi auf Leihbasis für Bologna. Für Juventus stand ich aber auf Abruf bereit. Einmal war ich mit der Turiner Mannschaft sogar auf einer USA-Reise, als die Nationalspieler bei einem EM-Qualifikationsspiel waren. Von einer finalen Verpflichtung sah der Verein aber ab, weil es mit Jürgen Kohler, Andreas Möller und Stefan Reuter schon drei Ausländer im Kader gab.

Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus hätten Sie ohne Erlaubnis der Politik wechseln können. Warum spielten Sie danach nur für kleinere Teams?
Ich war mittlerweile 30 Jahre alt und spielte noch für sechs weitere Vereine, unter anderem für Xamax Neuchâtel, Ferencvaros oder VSE St. Pölten. Natürlich hätte ich mir gewünscht, irgendwo länger zu bleiben. Und manchmal vermisste ich auch Frankfurt.

Die ungarische Presse machte Sie in den Achtzigern zum besten ungarischen Fußballer seit Nandor Hidegkuti und Ferenc Puskas. Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken: War diese Last zu groß?
Natürlich hätte ich mit etwas mehr Glück und weniger Politik mehr aus meiner Karriere machen können. Trotzdem bin ich ganz zufrieden. Ich habe einige Pokale gewonnen, wurde Spieler des Jahres in Ungarn, der Schweiz oder Griechenland, mehrmals Torschützenkönig. Und ich war in den Achtzigern einer der wenigen Ungarn, der in so jungen Jahren ins Ausland wechseln durfte. Das war Jahrzehnte lang nicht üblich, selbst Ferenc Puskas durfte schließlich erst im Alter von 31 zu Real Madrid wechseln.

Welche Beziehung hatten Sie eigentlich zu Puskas?
Wir waren befreundet. Das ehrte mich sehr. 1993, als er die Nationalelf übernahm, habe ich unter ihm trainiert. Manchmal knuffte ich ihm die Seite: »Na, Ferenc«, sagte ich, »bessere Zehner als uns hat es nie gegeben!«

Und er?
Er hob die Hand und sagte: »Werd mal nicht vorlaut, Döme, sonst setzt es eine!«

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Das Interview erschien in der Rubrik »Der Fußball, mein Leben und ich« in 11FREUNDE #169. Die Ausgabe erhaltet ihr weiterhin im Shop oder im App-Store.