Lajos Detari über seine Karriere

»Es war ein bisschen kurios«

Bald konnten Sie also die Beiträge in den Boulevardmedien verstehen. Dort stand etwa, Sie seien der teuerste Fehleinkauf der Bundesligageschichte. Oder dass Ihre Mitspieler Sie nicht mehr anspielten, weil sie neidisch seien.
Ich bin oft zu Charly Körbel gegangen und habe ihn um Rat gebeten. Manchmal zweifelte ich daran, dass ich mich in der Bundesliga durchsetzen würde. Allerdings wurde damals auch vieles aufgebauscht.

Was zum Beispiel?
Die Sache mit der Arroganz. Als ich die bunten Schuhe bekam, zog ich sie gleich beim nächsten Training an. Die Mitspieler lachten mich aus, und ich stand da wie ein Idiot. Das fand ich nicht okay. Als wir im nächsten Spiel gegen Bayern in der 70. Minute 1:0 in Führung gingen, ließen sich alle vor der Fankurve ausgiebig feiern. Wir schafften es zum Wiederanstoß gerade noch in die eigene Hälfte. Keine 40 Sekunden später – wir hatten uns noch gar nicht richtig positioniert – wurde ein Bayern-Stürmer im Strafraum gefoult, Elfmeter. Lothar Matthäus traf zum 1:1. Danach sagte ich in einem Interview: »Wir haben uns verhalten wie Amateure.« Ich war wütend, auch auf mich selbst. Am nächsten Tag las ich: »Detari beschimpft Mitspieler: Ihr seid alles Amateure!«

Wie wichtig war es Ihnen, gemocht zu werden?
Kennen Sie meinen Spitznamen? Man nennt mich »Döme«, umgangssprachlich für »lieber kleiner Bär«. (Beugt sich vor und lässt die Arme baumeln.) So war ich, so bin ich heute noch. Umso trauriger machte es mich, wenn andere mich für arrogant hielten.



Sie sagten damals: »Die Mannschaft mag mich nicht. Ich fühle mich nicht wohl.« Haben Sie überlegt, wieder nach Hause zu gehen?
Natürlich war es damals noch etwas anderes, wenn ein Ausländer neu ins Team kam, noch dazu mit so viel Vorschusslorbeer. Und vermutlich guckten einige ein bisschen skeptisch. Aber deswegen aufgeben? Das ist nicht meine Art.

Im Winter 1987/88 fanden Sie Ihre alte Form. Was war passiert?
Wir spielten verschiedene Hallenturniere. Ich liebte diese Spiele, das Dribbeln, das schnelle Passen. Die Touren zu den Turnieren waren wie eine Klassenfahrt, Mannheim, München oder das Masters in Frankfurt, wo wir erst das Finale gegen Uerdingen verloren. Wlodzimierz Smolarek schoss damals Tore am Fließband, und ich legte ihm ein Ding nach dem anderen auf. Die Fans tobten, und ich fand den Spaß am Spiel wieder. Ich merkte, dass ich ein Teil dieser Mannschaft war.

Allerdings hielt das Glück nicht lange. Was fällt Ihnen heute ein, wenn Sie den Namen Georgios Koskotas hören?
Nach dem Pokalendspiel gegen Bochum feierten wir eine große Party. Auf einmal steht Smolarek neben mir und sagt: »Da hinten wartet der Präsident von Olympiakos, der möchte mit dir sprechen.« Also bin ich rüber, und Koskotas sagte: »Ich bin mir zu hundert Prozent sicher: Du bist mein Spieler!« Ich sagte: »Das müssen Sie mit dem Verein und meinem Verband besprechen.«

Wenige Tage zuvor sagten Sie in einem TV-Interview noch: »Ich bleibe nicht nur ein Jahr, ich bleibe noch vier Jahre in Frankfurt.« Wieso entschieden Sie sich so schnell um?
Wer konnte wissen, dass da auf einmal dieser Verrückte kommt und 18 Millionen Mark bietet. Im Ernst: Koskotas verhielt sich mir gegenüber immer korrekt. Die 18 Millionen wurden dann zwischen dem ungarischen Verband und der Eintracht aufgeteilt. Den Verein, der durch seine Eishockey-Abteilung hoch verschuldet war, retteten die Einnahmen vor der Pleite.

Viele Eintracht-Fans fragen noch heute: »Wo sind die Detari-Millionen geblieben?« Wissen Sie mehr?
Verbuddelt im Riederwald? (Lacht.) Nein, ich kann leider nicht weiterhelfen. Aber warum fragen sie das? In den folgenden Jahren kamen doch gute Spieler: Jay-Jay Okocha, Uwe Bein oder Ralf Falkenmayer.

Wie sehen Sie im Rückblick Ihre Zeit bei Olympiakos?
Es war ein bisschen kurios. Nach dem fünften Spieltag erfuhr ich, dass Koskotas Hals über Kopf in die USA geflohen war, angeblich hatte er krumme Geschäfte mit seiner Bank of Crete am Laufen. Trotzdem war es eine gute Zeit. Ich wurde nach meiner Ankunft auf dem Weg zum Stadion von 50 000 Fans bejubelt, obwohl ich noch keine Minute gespielt hatte. Total verrückt!

Ein Kulturschock?
Im positiven Sinne. In Deutschland hatte ich ja selten vor mehr als 25.000 Zuschauern gespielt. Wenn wir im Olympiastadion von Athen spielten, kamen 80.000 Fans! Nach den Spielen mussten wir meistens zwei bis drei Stunden in der Kabine warten, weil draußen die Fans alle Wege versperrten. Wenn wir verloren, blieben wir sieben bis acht Stunden – aus Angst. Glücklicherweise kam das selten vor, denn wir waren erfolgreich. Einmal gewannen wir den Pokal, und ich wurde zweimal Torschützenkönig.