KSC-Trainer Markus Kauczinski über sein Image

Operieren Sie als Trainer lieber aus der Außenseiterrolle heraus?
Ich habe bis jetzt nur beim KSC gearbeitet. Da ergibt sich das automatisch.

Und in Zukunft?
Würde ich mich ungern auf die Rolle des Entwicklers festlegen lassen, der ausschließlich kleine Mannschaften nach oben bringt. Mein Gefühl ist, dass ich mit jedem umgehen und jeden erreichen kann.

Und wenn Bayern München anriefe?
Wäre das auch reizvoll. Ich glaube aber, dass sich die Arbeit dort von der beim Karlsruher SC gar nicht so sehr unterscheiden würde. Wahrscheinlich müsste man etwas weniger an technischen Grundlagen arbeiten, doch letztlich müssen beide als Team funktionieren. Der KSC wie der FC Bayern.

Pflegen Sie als Coach Rituale oder Marotten?
Null. Anfangs hatte ich mal einen Glücksbringer von meiner Frau, aber irgendwie ist es ja doch Blödsinn, oder? Jedenfalls nicht belegbar. Nur um mich auszutricksen, brauche ich das nicht.

Sind Sie ein rationaler Typ?
Eigentlich eher Bauchmensch, zumindest bei den letzten Entscheidungen.

Gläubig?
Gar nicht. Ich interessiere mich zwar für Religionen, allerdings weniger aus Glaubensgründen als wegen der lebensphilosophischen Aspekte. Da kann man von allen Religionen was lernen.

Rund um die Relegationsspiele gab es einige Zeitungsartikel mit dem Tenor »Lebemann Labbadia gegen Malocher Kauczinski«. Nur Klischees?
Menschen werden halt gern in Schubladen gesteckt, um sie besser einschätzen zu können.

Vielleicht liegt es an der uneitlen Art, wie Sie am Spielfeldrand stehen. Man würde Ihnen jederzeit wieder zutrauen, in einem sozialen Brennpunkt eine Horde wilder Jungs zu zähmen.
Das könnte ich auch, keine Frage. Aber das will ich nicht an der Kleidung festmachen. Ich trage eine Jeanshose mit T-Shirt oder Kapuzenpulli, je nach Wetter. Was soll daran Besonderes sein?

Wir leben in einer Welt, die über den Schneider von Pep Guardiola diskutiert, wenn seine Hose reißt.
(Lacht.) Stimmt, da bin ich anders. Doch ein Mensch hat nun mal viele Facetten. Harte Arbeit gehört für mich dazu, trotzdem bin ich kein klassischer Malocher. Ich bin gewiss kein Feingeist und dennoch interessiert an vielerlei Dingen. Und ich lese sehr viel, ohne mich als klassischen Intellektuellen bezeichnen zu wollen.

Was lesen Sie?
Alles. Zeitschriften, Biografien, Philosophisches, alle möglichen Arten von Belletristik, Krimis.

Ihr Lieblings-Krimiautor?
Jo Nesbø.

Warum?
Mich fasziniert die vielschichtige, gebrochene Persönlichkeit seines Ermittlers Harry Hole.

Und das, wo Sie in einer Branche arbeiten, die gebrochene Charaktere meidet wie der Teufel das Weihwasser.
Wer angreifbar ist, der hat es im Fußball schwer. Deshalb versuchen viele, so glatt wie möglich zu erscheinen.

Wollen Trainer, die Anzüge tragen, Unnahbarkeit suggerieren?
Mag sein, ich mache mir darüber nicht so viele Gedanken. Aber glauben Sie mir, ich bin auch eitel! Gerade haben wir die Fotos für unsere Autogrammkarten ausgewählt. Da suche ich schon das raus, von dem ich glaube, dass ich am besten getroffen bin.

Wie würden Sie sich als Trainer charakterisieren? Autorität mit Herz?
Das ist schon wieder eine Pauschalisierung, die mir nicht gefällt. Ich bin herzlich, wenn es angebracht ist. Und ich bin streng, wenn es sein muss. Die Dosis macht das Gift. Wer immer nur in eine Richtung agiert, stößt an Grenzen.

Was erwarten Sie von der neuen Saison? Fürth hatte mit der verlorenen Relegation so schwer zu kämpfen, dass der Klub im Jahr drauf fast abgestiegen wäre.
Wissen Sie was? Jedes Jahr sagt man mir, dieses Jahr würde das schwerste. Zuerst hieß es: Als Aufsteiger, das wird schwer! Dann: Das zweite Jahr ist immer das schwerste. Und jetzt höre ich es schon wieder. Warum eigentlich?

Wegen der großen Enttäuschung. Wie wollen Sie verhindern, dass die in die neue Spielzeit schwappt?
Durch harten Konkurrenzkampf. Wenn einer meint, er braucht noch Zeit, dann bekommt er sie. Aber ich bin sicher, dass wir diese Situation überwinden – selbst wenn eine Narbe bleibt. Piekst man darauf, wird sie immer weh tun, so ist das nun mal.

Es sei denn, Sie holen den Aufstieg nach.
Dennoch wird dieses Spiel in Erinnerung bleiben. Es gehört zu uns, und es gehört für immer zu mir. Es gibt solche Einschläge im Leben. Und wenn wir diesmal am vierten Spieltag ein bisschen nachlassen, kann ich sagen: »Erinnert euch daran, wie es beim letzten Mal war! Am Ende hat ein Punkt gefehlt.«