KSC-Trainer Markus Kauczinski über sein Image

Sie haben den Fußballlehrer-Lehrgang mit Ex-Nationalspielern wie Mehmet Scholl und Stefan Effenberg absolviert. Bekommt ein ehemaliger Amateurspieler da nicht Komplexe?
Ich bin völ­lig neidfrei an die Sache rangegangen und habe mich zu keinem Zeitpunkt unterlegen gefühlt. Ich hatte ja damals als Trainer schon mehr vorzuweisen als manch anderer und stand bereits zwanzig Jahre an der Linie.

Wieso ist es inzwischen weniger wichtig, dass ein Trainer früher als Profi erfolgreich war?
Da gibt es keine festen Regeln. Es gibt Ex-Profis, die gute Trai­ner sind, und es gibt Ex-Profis, die weniger gute Trainer sind. Und es gibt Leute, die sich hochgearbeitet haben, so wie ich.

Aber viele der neuen Trainerstars, wie Thomas Tuchel, Roger Schmidt oder Markus Weinzierl, waren als Spieler nicht gerade Berühmtheiten.
Das ist eine Tendenz, richtig. Von der Erfahrung und Ausstrahlung eines Ex-Profis allein kann niemand leben. Man braucht Fachkenntnisse, muss mit Medien umgehen, Menschen führen, vor einer Mannschaft stehen und Leute begeistern können. Das Feld der Kompetenzen, die ein Trainer benötigt, ist riesig. Um diese Vielfalt zu beherrschen, muss ich vorher nicht zwingend Profi gewesen sein.

Liegt es auch daran, dass das Spiel komplizierter geworden ist? Vielleicht reicht es nicht mehr aus, wie einst Franz Beckenbauer einfach nur zu sagen: »Geht raus und spielt Fußball!«
Weiß ich nicht. Vieles wird ja auch kompliziert gemacht. Ich erkenne viele Dinge, die es früher bereits gab, die nun aber anders heißen. Heute sagt man Gegenpressing, früher hieß es: »Du gehst nach!« Das Fußball-Einmaleins ist noch immer das gleiche, nur wird es heute manchmal ein bisschen verklausuliert.

Meiden Sie Trendwörter wie die »abkippende Sechs« und die »falsche Neun«?
Wichtig ist, dass meine Mannschaft mich versteht. Und meine Mannschaft versteht mich, wenn ich einfach rede und klare Anweisungen gebe. Hinter all diesen Begriffen verbirgt sich ja eine Taktik und die muss vermittelt werden. Wie ich das benenne, ist letztlich uninteressant.

Fußball ist also doch keine Geheimwissenschaft.
Sagen wir mal so: Jeder hat seinen eigenen Zugang.

Vier Tage nach Abschluss Ihres Trainerlehrgangs sind Sie endlich Chefcoach in Karlsruhe geworden und nur wenige Wochen danach aus der zweiten Liga abgestiegen. Hatten Sie Angst, das neue Glück könnte schnell wieder vorbei sein?
Nein. Meine Basis ist, dass ich vorher ein normales Leben geführt habe und auch jederzeit wieder ein normales Leben führen könnte. Meine Frau ist berufstätig und ich käme mit einem ganz normalen Gehalt klar. Ich hätte keine Angst, in ein Loch zu fallen, wenn ich kein Trainer mehr wäre.

Hätten Sie geglaubt, mit dem Wiederaufstieg wäre für den KSC das Ende der Fahnenstange erreicht?
In der zweiten Liga sind die Unterschiede gering, das hat man ja auch jetzt wieder gesehen. Deshalb habe ich unsere Ziele ziemlich offensiv formuliert. Was ist es denn für ein Ziel, zu sagen, ich will nur nicht absteigen? Und am Ende werden wir Vierzehnter und alle freuen sich? Das ist nichts für mich.

Wie sehr schmerzt es, wenn Spieler wie Calhanoglu oder Yabo weggekauft werden, die Sie selbst entwickelt haben?
Da bin ich pragmatisch, das ist der Lauf der Dinge. Spieler zu verlieren, gehört für einen armen Verein wie den KSC dazu. Schon im Nachwuchsbereich hat mir einer abends gesagt, wie glücklich er bei uns sei, und am nächsten Morgen, dass nun aber sein Traumverein angerufen habe. Ich bin da illusionslos.

Nervt es nicht, wenn mit der »besseren sportlichen Perspektive« argumentiert wird, wo es doch eigentlich nur ums Geld geht?
Na ja, es gibt ja tatsächlich Vereine, die eine bessere sportliche Perspektive bieten als wir. Aber ich habe mir abgewöhnt, moralisch an solche Dinge heranzugehen. Früher hat mich das noch gewurmt, aber für mich gibt es da kein Richtig oder Falsch mehr. Jeder guckt, wo er bleibt. Wichtig ist nur, dass es so offen und ehrlich abläuft wie jetzt bei Ray. (Reinhold Yabo, d. Red.)