KSC-Trainer Markus Kauczinski über sein Image

»Ich bin auch eitel!«

In den Relegationsspielen gegen den HSV war KSC-Mann Markus Kauczinski der heimliche Star. Geile Frise, geiler Style, geiler Typ. Für unser Bundesliga-Sonderheft trafen wir ihn zum Interview.

Sebastian Arlt
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Markus Kauczinski, was war Thema Ihrer ersten Ansprache in der neuen Saison: Ging es noch mal um die Relegation oder haben Sie den Blick gleich nach vorne gerichtet?
Natürlich haben wir noch mal Bezug auf das genommen, was war. Wir müssen die Vergangenheit akzeptieren, wir können sie nicht mehr ändern. Aber es geht darum, aus dem Ganzen auch etwas Gutes mitzunehmen.

Was könnte das sein?
Der Gedanke ist: Es lag nicht an dieser einen Situation. Solch ein Tor wie der Freistoß von Marcelo Diaz kann immer passieren. Doch wir hatten in der Hinrunde vier oder fünf unnötige Unentschieden. Wenn am Ende der Saison ein Punkt zu Platz zwei und damit zum direkten Aufstieg fehlt, liegt vielleicht dort der Hund begraben.

Ist das ein psychologischer Trick, um sich von einem traumatischen Ereignis zu lösen?
Traumatisch bleibt es trotzdem. Aber wir versuchen, einen Nutzen daraus zu ziehen, damit es nicht nur schwer in der Tasche liegt.

Sie sind demnach ein Mensch, dessen Glas im Zweifel halb voll ist?
Natürlich kann ich diesem Relegationsdrama nichts Positives abgewinnen. Ich kann ja nicht im Nachhinein behaupten, es sei ein gefühlter Sieg. Aber grundsätzlich bin ich ein Optimist, der glaubt, dass man mit harter Arbeit, gutem Training und einem guten Spirit auch bei begrenzten Mitteln eine Menge erreichen kann.

Der KSC hat in der letzten Spielzeit mehr erreicht, als viele von ihm erwartet haben.
Das kann man so sehen. Wenn man von diesem einen Spiel weggeht, war es eine erfolgreiche Saison, zumal wir erst im zweiten Jahr in der Liga waren. Aber das oder unser geringer Etat nützen mir auch nicht immer als Entschuldigung, das will ich auch gar nicht. Ich will ja dagegen ankämpfen.

Hätten Sie sich vor fünf Jahren, als Sie noch als Nachwuchscoach tätig waren, vorstellen können, in der Relegation um den Bundesligaaufstieg zu spielen?
Ich habe erst neulich mit meiner Frau darüber gesprochen: Nein, das hatte ich nie im Kopf. Selbst als U23-Coach nicht. Ich war immer im Moment, in meiner Aufgabe verhaftet, und habe nie nach oben geschielt und gesagt: »Die über mir sind bald weg!«

Also anders als Altkanzler Schröder, der Jahre vor seiner Kanzlerschaft angeblich am Tor des Kanzleramts rüttelte und rief: »Ich will da rein!«
Nein, bei mir ist das nach und nach gekommen. Anfangs konnte ich nicht richtig einschätzen, welche Türen offen waren und was mir eventuell fehlt. Aber irgendwann war das Gefühl da, dass ich mit dem, was ich habe und bin, mein eigenes Ding machen kann.

Sie waren insgesamt dreimal Interimstrainer des KSC. War es hart, danach wieder ins zweite Glied zurückzukehren?
Das schon. Weil es Spaß gemacht hat. Es waren jeweils Extremsituationen, in denen ich gemerkt habe, dass ich etwas bewirken kann. Doch ich hatte zu dem Zeitpunkt ja nur die A-Lizenz und war noch nicht mal Fußballlehrer.

Ihr erster Trainerposten war in einem sozialen Brennpunkt in Gelsenkirchen. Haben sportliche Aspekte dort überhaupt eine Rolle gespielt?
Stimmt, das war bei Arminia Ueckendorf. Dort spielten Jungs, die im Leben nicht viel Rückhalt und andere Sorgen als Fußball hatten. Aber es hat Spaß gemacht und war meine Wiege als Trainer. Die Jungs waren total dankbar, wenn sich jemand leidenschaftlich für sie eingesetzt hat.

Hatten sie auch Sinn für Taktik und Spielsysteme?
Hatte ich ja selbst noch nicht. Zwischen dem, was ich früher gemacht habe, und dem, was ich heute mache, liegen Welten. Ich war damals zwanzig, die Jungs siebzehn oder achtzehn. Da ging es eher um Einsatz und Willensstärke, weniger um mannschaftstaktische Feinheiten.

Waren Sie traurig, dass Ihre eigene Spielerkarriere schon früh versandet ist?
Nein. Ich habe schnell gemerkt, dass es einfach nicht reicht.