Klub besiegt FIFA vor Gericht

»Es ging ums Überleben«

Der luxemburgische Klub CS Grevenmacher sollte nach einem FIFA-Urteil 50.000 Euro an zwei portugiesische Vereine zahlen. Hier erklärt der Vize-Präsident, wie man sich dem Dekret des Weltverbandes widersetzte.

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Guy Fusenig, Sie sind Vize-Präsident des CS Grevenmacher. Im März 2012 bekamen Sie Post aus Portugal mit der Aufforderung 50.000 Euro zu zahlen. Was war passiert?
Die beiden portugiesischen Vereine Associacao Deportivo Recreativa Pasteleira und der Sport Clube Vila Real forderten von uns eine Ausbildungsentschädigung für ihren ehemaligen Spieler David Carmo da Silva. Den Spieler hatte es in jungen Jahren mit seinen Eltern nach Luxemburg verschlagen – schließlich landete er bei unserem Verein.

Wie viele Spiele hat er für Ihren Klub gemacht?
Er wurde zwei Mal eingewechselt. Danach hat er nie wieder für uns gespielt und wechselte am Ende der Saison zu einem Nachbarverein.

Für die Einsatzzeit sind 50.000 Euro eine Menge Geld.
Kleine und große Vereine haben ein Anrecht auf eine Ausbildungsentschädigung für einen Spieler, wenn dieser einen Profivertrag bei einem anderen Verein in einem anderen Land unterschreibt. Die geforderten Beträge von 31.000 und 19.000 Euro waren aus Sicht der Fifa also rechtens.

Sind Sie nicht vom Stuhl gefallen, als Sie die Nachricht erhalten haben?
Die portugiesischen Vereine haben über das Internet unsere Adresse herausgesucht und uns dann per Mail und Fax angeschrieben. Der Kontakt kam direkt über eine Rechtsanwaltkanzlei zu Stande. Als ich persönlich davon erfahren habe, musste ich erst einmal schlucken.

Viele Klubs kuschen vor der Fifa. Warum haben sie die Konfrontation gesucht?
Wir haben dem Anwaltsbüro sofort gesagt: Wir werden die Summe nicht zahlen. Daraufhin haben sich die Anwälte an die Fifa gewandt. Die Streitbeilegungskammer der Fifa verurteilte den CS Grevenmacher dann zur Zahlung der oben genannten Summen, plus fünf Prozent Jahreszinsen.

Mit welcher Begründung?
Die Fifa ließ verlauten, dass der Spieler bei einem Einkommen von 300 Euro einen Profivertrag besitze und der Anspruch seiner Ausbildungsvereine auf eine Entschädigung rechtens sei.

Aber Sie haben trotzdem nicht gezahlt.
Stattdessen sind wir vor das internationale Sportgericht CAS in Lausanne gezogen. Im November 2014 kam es zum Showdown, den wir für uns entscheiden konnten. Wir haben letztlich gewonnen, weil es sich bei dem Kontrakt von Daniel Carmo da Silva um einen Amateurvertrag handelte und niemals um einen Profivertrag. Der Spieler hatte nur eine Aufwandsentschädigung für Anreisen zum Training und seine Trainingsausrüstung bezogen.

Bekamen Sie zwischenzeitig Existenzängste um Ihren Verein?
Man wusste ja nicht, wie der ganze Prozess ausgeht. Wir hätten 50.000 Euro plus zwei Jahre Zinsen zahlen müssen. Das ist eine Menge Geld. Für uns ging es um das Überleben.

Immer öfter werden Fälle bekannt, dass sich Klubs gegen die Fifa auflehnen. Auch hierzulande ging etwa der SV Wilhelmshaven gegen den Weltverband und seine Regeln vor. Macht die Ausbildungsentschädigung überhaupt Sinn?
Die Regelung an sich ist eine gute Idee. Sie schützt vor allem finanzschwache Vereine in Südamerika und Afrika. So werden junge Talente nicht vom einen auf den anderen Tag von ausländischen Profivereinen weggekauft. Die Regelung aber so auszulegen, wie es die Fifa bei uns getan hat, ist nicht Sinn der Sache.

Sie sind stolz, dass Sie der Fifa die Stirn bieten konnten?
Natürlich, denn wir halten die Entscheidung für einen kleinen Präzedenzfall in der Geschichte des Fußballes. Außerdem kennt man uns nun auch außerhalb Luxemburgs als einen stolzen Klub.