Kiels Trainer Markus Anfang im Interview

»ambitionierter, traditionsreicher Verein«

Man merkt, Ihnen liegt die menschliche Seite und die Kommunikation mit den Spielern sehr am Herzen.
Ja. Da darf vor dem Spiel auch gerne mal ein Spaß über mich dabei sein, oder ein Spaß von mir über einen Spieler. Man darf sich selbst nicht zu wichtig nehmen. Aber wenn es um die Sache geht, dann bin ich der Cheftrainer und habe das Sagen. Dann erwarte ich von den  Jungs, dass sie meine Vorgaben umsetzen. Trotzdem können und sollen sie sich vor allem auch frei entfalten. Wir geben immer die Richtung vor, die Entscheidungen auf dem Platz treffen dann die Spieler für sich.

Wie kam der Kontakt mit Holstein Kiel zustande? Der Geschäftsführer Sport, Ralf Becker, meinte einmal, er kenne Sie schon länger.
Ralf Becker kenne ich aus meiner Zeit als 18-jähriger bei Bayer Leverkusen, da war er bei den Profis. Wir hatten keinen engeren Kontakt, aber man kannte sich. Als er dann für Kiel einen Trainer suchte, ist er auf mich aufmerksam geworden. Wir haben uns unterhalten und dann für uns beide entschieden, dass es das sein könnte.

Holstein Kiel ist für viele Fußballfans Neuland. Was wussten Sie über den Verein?
Ich wusste, dass Kiel ein ambitionierter, traditionsreicher Verein ist, der seit Jahren durch viel Aufwand versucht, wieder in den bezahlten Fußball zurückzukommen. Mein Trainerteam und ich haben uns damals die Mannschaft angeschaut und wussten: Hier haben wir viele Spieler, mit denen wir den Fußball spielen können, den wir uns vorstellen.

Kiel ist besonders für seinen Handball-Verein bekannt. In letzter Zeit rückt der Fußball aber immer mehr in den Vordergrund. Laufen die »Störche« den Handballern so langsam den Rang ab?
Das sehe ich nicht so. Was der THW in den letzten Jahren geleistet hat, ist phänomenal. Mit uns bekommt Kiel ein weiteres Aushängeschild, das für den Sport steht. Wir stehen in keiner Weise in Konkurrenz zueinander. Ganz im Gegenteil. Wir sind in einer Situation, in der wir alle voneinander profitieren. Beide Vereine dürfen Kiel in Deutschland als Sport-Stadt vertreten. Das bringt uns weiter. Die Euphorie, die wir jetzt gerade erleben, merkt man insofern, als dass die Leute auf der Straße uns ermutigen und loben. Die Leute nehmen Teil an der Sache, die hier passiert. Das ist sehr schön.