Kevin Volland über Bolzplatz-Duelle mit seinem Bruder und Nachrichten von Bushido


»Meine dicke Kiste erkennt man gut!«



Kevin Volland gehört zu den erfolgreichsten Stürmern Deutschlands. Trotzdem stehen andere im Rampenlicht. Ein Gespräch über fehlende Anerkennung, Aufstiegsfeiern in der bayrischen Provinz und seine Leidenschaft für Deutschrap. 

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Kevin Volland, Sie haben in einem Interview mal behauptet, Deutschrap-Experte zu sein. Was können wir uns darunter vorstellen? Fahren Sie AMG? Tragen Sie nur noch Belanciaga? Ziehen Sie sich 480-minütige Fler-Interviews rein?
Sie werden lachen: Ich gucke zwar nicht unbedingt alle Interviews in voller Länge an, aber wenn Sie auf mein Handy schauen, werden Sie dort fast alles finden, was Fler und Bushido an Musik rausgebracht haben. Das ist die Mucke meiner Jugend. Ich habe mir all die Alben noch gekauft, lange bevor man sie einfach streamen konnte. Das Spektrum der Musik, die ich höre, ist zwar breit gefächert. Aber Deutsch-Rap höre ich im Gegensatz zu anderen Sachen konstant, und zwar seit ich 12, 13 Jahre alt bin. 

Auch aktuelles Zeug?

Nee, man muss den Rap, den ich höre, mittlerweile wohl als Old School bezeichnen. Mit den neueren Sachen, mit den »Lelelele«-Songs, kann ich nicht wirklich etwas anfangen. 

Wer war früher Ihr Lieblingsrapper?
Ganz klar: Bushido.



Haben Sie als Fußballer Kontakt in die Rapszene?

Nein, eigentlich nicht. Ich habe lediglich mal mit Bushido bei Twitter hin und her geschrieben. Er hat mich bei einem Konzert in Mannheim auf die Gästeliste gesetzt, ich habe mich bedankt, ganz unspektakulär.



Wann trägt der erste deutsche Rapper in einem Video ein Kevin-Volland-Trikot?

Das ist leider unrealistisch. An PSG und den Bayern komme ich in nächster Zeit wohl nicht vorbei.



Gucci, Versace, Louis Vuitton: Die meisten Rapper sind ziemliche Angeber. Was halten Sie als Mensch, der sich das auch alles leisten könnte, von dem Rumgeprotze?
Im Rap-Geschäft gehört es quasi dazu. Als Rapper bist du Einzelkünstler und kannst machen, was du für richtig hältst. Fußball ist aber ein Teamsport. Und ich finde, als Teamsportler sollte man nicht krampfhaft in den Mittelpunkt drängen.

Als Spitzenfußballer stehen Sie, ob Sie wollen oder nicht, oft im Rampenlicht. Genießen Sie diese Momente?

Mit 18, 19 Jahren, als ich Profi geworden und in eine ganz neue Welt eingetaucht bin, in eine Welt, in der mich plötzlich wildfremde Leute erkannten und ich mir schöne Dinge leisten konnte, da hat mir das Spaß gemacht. Es war aufregend und anders. Mittlerweile bin ich Samstagabends einfach froh, wenn wir nach einer guten Trainingswoche ein Spiel gewonnen haben und ich am nächsten Tag ungestört mit meiner Familie durch Düsseldorf spazieren kann. Früher dachte ich nach gewonnen Spielen auch mal: »Geil, Siegprämie!«. Mittlerweile geht es mir in erster Linie um den sportlichen Erfolg.

Vergangene Saison wurde im Zusammenhang mit Leverkusen viel über Kai Havertz oder Julian Brandt geredet. Topscorer waren aber Sie. Fehlt Ihnen die öffentliche Anerkennung?
Nein, ich finde das normal. Julian und vor allem Kai sind viel jünger, ihre Karrieren nehmen gerade Fahrt auf. Da ist es doch logisch, dass sie eher in den Fokus rücken als ich. Als ich 20 Jahre alt war, in Hoffenheim, da war es bei mir ähnlich. Wir hatten viele gute Spieler im Kader. Berichtet wurde aber vor allem über mich, und zwar extrem viel. Ich hatte irgendwann das Gefühl, dass ich zu einer Art Aushängeschild gemacht werden sollte. Diese Erfahrung hilft mir zu verstehen, was jetzt hier passiert.

Gehen Sie in Ihrer Freizeit eigentlich immer noch regelmäßig mit Ihrem jüngeren Bruder Robin bolzen?

Logisch. Wenn wir beide in der Heimat sind, geht es sofort los zur Anlage von unserem Heimatverein, dem FC Thalhofen. Einer muss ins Tor, einer darf schießen. Das war früher so, und das hat sich auch nicht geändert.