Karriererückblick mit Torsten Mattuschka

»Im Ostfußball fehlt es an Geld«

Nach dem Abstieg in Cottbus spielten Sie noch zwei Jahre bei der erst fünf-, dann viertklassigen VSG Altglienicke, ehe Sie Ihre Karriere aus Verletzungsgründen endgültig beendeten. Was machen Sie jetzt nach dem Aufstehen?

Keine Sorge, ich habe genug zu tun. Ich arbeite als Co-Trainer bei Altglienicke, und das ist anstrengender als gedacht. Als Spieler kommst du zum Training und denkst dir »Schauen wir mal, was die Trainer heute vorbereitet haben«. Wenn man dann aber selber Trainer ist, merkt man erst, wie viel Arbeit dahinter steckt. Und an der Seitenlinie muss man gleichzeitig das Spiel verfolgen, und sich dazu permanent Verbesserungsmaßnahmen, mögliche Wechsel, Taktikänderungen und sonstige Dinge überlegen. Nach einem Spiel als Coach fühle ich mich oft so, als hätte ich auf dem Platz zwei Mal hintereinander durchgespielt.

Sie gelten als Ikone des Ostfußballs. Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass seit dem Abstieg von Energie Cottbus im Jahr 2009 kein ehemaliger DDR-Klub mehr in der Bundesliga gespielt hat?

Ich denke, dass das in erster Linie daran liegt, dass die Ostvereine oft mit finanziellen Problemen zu kämpfen haben. Natürlich gibt es auch Vereine wie Union, die auf einem guten Weg sind oder zumindest das Beste aus ihren Möglichkeiten machen, wie zum Beispiel Erzgebirge Aue. Aber solange die wirtschaftliche Lage der Klubs angespannt ist, wird es schwierig, sich in der Zweiten Liga zu etalieren oder vielleicht sogar in die Bundesliga aufzusteigen. Deshalb bin ich auch niemand, der pauschal Investoren ablehnt, auch wenn man natürlich immer darauf achten muss, dass ein potenzieller Geldgeber seriös ist. Das wurde in der Vergangenheit leider nicht immer gemacht, bestes Beispiel ist ja Viktoria Berlin. (Der Verein musste vor kurzem aufgrund ausbleibender Investorengelder Insolvenz anmelden, Anm. der Red.)

Herr Mattuschka, Sie haben Ihre ganze Karriere in Cottbus und in Berlin verbracht. Hat Sie nie die Lust gepackt, mal woanders zu spielen, vielleicht sogar ins Ausland zu gehen?

Diese Frage wurde mir schon oft gestellt, aber ehrlich gesagt gab es nie ein passendes Angebot. Wenn es das gegeben hätte, hätte ich mir vielleicht Gedanken darüber gemacht, aber ich habe mich bei Union immer sehr wohl gefühlt. Ich war lange Kapitän der Mannschaft, und ich denke, wer sich in Fußballdeutschland auskennt, weiß mit meinen Namen etwas anzufangen. Und das ist, ohne mir darauf etwas einbilden zu wollen, schon krass. Gerade wenn man bedenkt, wie alles angefangen hat – ich habe auf dem Dorf gewohnt, war hässlich und habe hundert Kilo gewogen – denke ich, dass ich meinen Kneipenkörper gut durch die Jahre im Profifußball gebracht habe.