Karl-Heinz Körbel über seine lange Karriere bei Eintracht Frankfurt

»Scientology wollte den Verein übernehmen«

Sie wurden Cheftrainer bei der Eintracht, ihr Engagement war aber nicht von Erfolg gekrönt. Was lief falsch? 

Als Heynckes 1995 ging, machte er sich bei Präsident Matthias Ohms und Manager Bernd Hölzenbein für mich als Nachfolger stark. Sie stimmten zu, doch ich merkte schnell, dass mir die Unterstützung fehlte. Im Frühjahr sagte mir Ohms, dass sie mich entlassen würden, wenn wir das nächste Spiel verlieren. Ich war geschockt und rief erst mal meinen Anwalt an. Dann weihte ich die Spieler ein. Jay-Jay Okocha weinte, als er von dem Ultimatum hörte.

Wie ging es weiter? 

Wir verloren unglücklich gegen Gladbach, nach dem Spiel sagte Ohms: »Charly, wir müssen uns trennen.« Aber wir waren Neunter, es gab keine echten Gründe für meine Entlassung. Also bot er mir einen Fünfjahresvertrag für einen Job meiner Wahl bei der Eintracht an, wenn ich von mir aus zurücktreten würde. Ich sagte nur: »Du kannst mich mal.« Folglich musste Ohms auf der Pressekonferenz meine Entlassung verkünden. Die anwesenden Journalisten waren geschockt. Joachim Böttcher vom Hessischen Rundfunk stand auf und rief: »Ihr seid die größten Schweine, so etwas zu machen. Das wird euch noch leid tun.«

Sie wurden später Trainer beim VfB Lübeck und beim FSV Zwickau. Ihr Engagement in Zwickau verlief kurios, oder? 

Ich hatte in Zwickau eigentlich eine tolle Zeit. Bis es plötzlich drunter und drüber ging. Zwickau war damals eine Hochburg der Scientologen, und nach und nach wurde klar, dass Scientology den Verein übernehmen wollte. Die komplette Führungsriege wurde durch Scientologen ausgetauscht, bis nur noch ich und der Geschäftsführer da waren. Das ging so weit, dass ich den damaligen Bürgermeister von Zwickau und DFB-Präsident Egidius Braun um Hilfe bat. Braun sagte: »Herr Körbel, wir wissen das. Wir beobachten den Verein genau.«

Wie genau hat sich der Einfluss von Scientology geäußert? 

Die haben die Computer kontrolliert und wollten über den Verein mit großen Versprechungen à la Stadionneubau an die Fans ran. Irgendwann versammelten der Geschäftsführer und ich die Fanklubs in der Vereinskneipe, fast 300 Leute, um denen zu erzählen, was los ist. Als wir gerade anfangen wollten, ging das Licht aus. Als es wieder anging, standen die Scientology-Leute in ihren schwarzen Mänteln um uns herum. Da wird einem schon mulmig. Die haben natürlich alles dementiert. Zum Rückrundenstart stellte man mir dann einen Geldkoffer hin: »Wenn Sie für unsere Sache sind ...« Da habe ich mich ins Auto gesetzt und bin nach Hause gefahren.

Und landeten wieder bei der Eintracht. 

Als Felix Magath 1999 Trainer wurde, rief er mich an und sagte, ich solle die Scoutingabteilung übernehmen. Ich sagte zu, aber als ich meinen Dienst hier antrat, bestand die Scoutingabteilung aus zwei Ausgaben des »Kicker«-Sonderheftes, die in einer Schreibtischschublade lagen. Gemeinsam mit Ralf Weber baute ich die Abteilung dann auf.

2002 wäre Ihre Eintracht um ein Haar pleitegegangen. 

Es ist eine Bürgschaft geplatzt und unser Finanzvorstand Dr. Pröckl eröffnete mir, dass der Verein kein Geld mehr habe, nicht einmal mehr für einen Anwalt. Ich holte dann den Anwalt Christoph Schickhardt ins Boot, gemeinsam fuhren wir erst mal sämtliche Zeitungen ab, weil wir wussten, dass wir eine positive Berichterstattung brauchen, um neue Sponsoren zu gewinnen. Danach ging es zur Oberbürgermeisterin Petra Roth in den Römer. Die wollte von mir wissen, wem im Verein sie vertrauen könne. Von da an musste ich alle acht Tage zu Frau Roth in den Römer und Bericht erstatten. Aber wir haben es geschafft, am Ende die Lizenz bekommen und Eintracht Frankfurt am Leben erhalten.