Karl-Heinz Körbel über seine lange Karriere bei Eintracht Frankfurt

»Einmal habe ich sogar gekündigt«

Heute feiert Karl-Heinz Körbel seinen 65. Geburtstag. Seine 602 Bundesligaspiele, alle für Eintracht Frankfurt, sind bis heute unerreicht. Der „treue Charly“ über Autorennen am Riederwald, Scientologen in Zwickau und Stepis größten Fehler.

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207

Dieses Interview erschien zum ersten Mal Anfang 2019 in 11FREUNDE #207. Das Heft ist hier bei uns im Shop erhältlich.  

Charly Körbel, Sie sind seit 1972 bei Eintracht Frankfurt. Liebe auf den ersten Blick war das aber nicht, oder?
Nein. Mein Vater nahm mich 1964 mit ins Stadion. Doch die Eintracht verlor gegen den KSC 0:7, auf dem Heimweg sagte ich: »Zu so einem Klub würde ich niemals gehen.«

Beinahe hätten Sie recht behalten.
Mit 16 wollte mich der HSV haben. Die Hamburger holten damals Talente aus dem ganzen Land, eines Tages stand der Manager bei uns vor der Tür. Wenig später saß ich zum ersten Mal in meinem Leben in einem Flugzeug und flog nach Hamburg zum Probetraining.

Wie lief dieses Training?
Ich dachte, ich würde mit der A-Jugend trainieren. Doch auf dem Platz wartete nur der Profitrainer Klaus Ochs mit ein paar Bällen. Ich fragte ihn, wo denn die anderen seien. Da ging die Kabinentür auf und heraus kam Uwe Seeler. Gegen den musste ich dann eine Stunde lang Eins gegen Eins spielen. Uwe hatte sich gerade von einer Verletzung erholt, ich hatte große Sorge, dass ich ihn aus Versehen wieder verletzen würde. Aber es lief gut, der HSV machte mir ein Angebot. Schließlich entschied ich mich dagegen. Es war einfach noch nicht an der Zeit, wegzugehen.

Ein Jahr später gingen Sie dann doch zu Eintracht Frankfurt. Wie kam es zu dem Wechsel?
Unser Juniorennationalmannschaftskapitän Wolfgang Kraus spielte bei der Eintracht und fragte mich, warum ich nicht zur SGE käme. Ich sagte, ich hätte kein Angebot. Wenige Tage später stand Jürgen Gerhardt, der Geschäftsführer der Eintracht, bei uns vor der Tür. Er brachte Blumen mit, da redet meine Mutter heute noch von. Bei Kaffee und Kuchen lud er mich zu einem Spiel der Eintracht in den VIP-Bereich ein.

Das endete nicht 0:7?
(Lacht.) Nein. Vor der Partie kam Trainer Erich Ribbeck zu mir, um mich zu begrüßen. Das beeindruckte mich, ich nahm das Angebot der Eintracht an und zog an den Riederwald.

Stimmt es, dass Sie im Riederwaldstadion direkt unter der Tribüne wohnten?
Ja. Dort befand sich damals eine Wohnung für Nachwuchsspieler, die teilte ich mir mit zwei Mitspielern. Es gab einen Kühlschrank, drei Betten und ein Telefon, an das Gerhardt irgendwann ein Schloss hing, weil die Rechnung so hoch war. Ab zehn Uhr abends waren wir allein, aber wir hatten Schlüssel für alle Türen. Eines Nachts sagte Raimund Krauth, einer meiner Mitbewohner: »Jungs, ich habe eine Idee.« Wir gingen nach unten, machten das Flutlicht im Stadion an und fuhren mit seinem Ford Capri eine Stunde lang Rennen um die Tartanbahn.

Wie lief die Umstellung aufs Profitum?
Nach zwei Tagen im ersten Trainingslager wollte ich direkt zurück nach Hause. Damals galt es als leistungsfördernd, den Spielern nach einer Belastung nichts zu trinken zu geben. Wir sind nur gelaufen, haben aber kaum Wasser bekommen. Es war so schlimm, dass ich mich in die Duschräume verdrückte, um das Duschwasser zu trinken. Ribbeck kam hinterher und drohte mir: »Wenn du das noch einmal machst, war’s das.«