Julian Schuster im Interview

Mit dem Fahrrad zum Stadion

Der Weg zum SC ist eher ungewöhnlich. Mit 19 Jahren spielten Sie noch in der Kreisliga, wechselten dann aber zum VfB Stuttgart. Wie ist so eine schnelle Entwicklung zu erklären?
Es ist natürlich nicht so, dass der Sprung von der Kreis- in die Regionalliga einfach so passierte. Nur unterscheidet sich mein Weg vielleicht von dem junger Spieler heutzutage. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass wir in Löchgau nicht genügend A-Jugendliche hatten, und ich deshalb als B-Jugendlicher immer in der A-Jugend aushalf. Deshalb stand ich nicht nur am Samstag, sondern auch am Sonntag auf dem Platz und musste lernen, mich gegen ältere und körperlich robustere Spieler durchzusetzen. Ich hatte also eine enorm hohe Belastung und dadurch schon ein gewisses Grundniveau. 

...das auch Gerhard Poschner wahrnahm.
Genau, mit ihm kam der nächste Schritt. Dass ich durch ihn letztlich beim VfB Stuttgart landete, war schon etwas verrückt. Man muss sich das mal vorstellen: Da sind ein paar Jungs, die irgendwo auf dem Land Kreisliga kicken. Dann kommt ein ehemaliger Profi und stellt sie beim großen VfB vor – auch aus Beratersicht eine ziemlich mutige Aktion. Dafür bin ich ihm bis heute natürlich sehr dankbar. Er ist seitdem nicht nur mein Berater geblieben, sondern auch ein Freund geworden.

Vom VfB wechselten Sie dann 2008 zum SC Freiburg, einen weiteren Vereinswechsel schlossen Sie seitdem aus. Welche Vorteile hat der SC gegenüber anderen Vereinen?
Als Fußballer steht man permanent in der Öffentlichkeit. Ich bin der Meinung, dass es unglaublich wichtig ist, nicht nur als Fußballer, sondern auch als Mensch betrachtet zu werden. Das geht leider sehr oft völlig verloren. In Freiburg gibt es zwischen Fans, Umfeld und Mannschaft einen sehr persönlichen Umgang. Nach dem letzten Abstieg zum Beispiel ist die Mannschaft von niemanden an den Pranger gestellt oder von oben herab beschimpft worden. Dieses Menschliche gibt man als Spieler dann auch gerne zurück. Fußballprofi zu sein macht einen noch lange nicht zu einem besseren Menschen. In Freiburg begegnet man sich auf Augenhöhe, das macht es aus.

So können Sie auch ungehindert mit dem Fahrrad zum Stadion fahren.
Ja, das ist schon so. Aber ich wohne mit meiner Familie auch nur 400 Meter vom Stadion entfernt. Außerdem liegt der Kindergarten von meinen Kindern auch noch auf dem Weg. Die Route morgens ist also klar abgesteckt. (lacht) Es wäre schon ziemlich frech, da nicht mit dem Fahrrad zu fahren. Das würden andere Spieler sicherlich auch so machen.

Sie waren sehr lange verletzt. Wie war während der Zeit in der Reha Ihr Kontakt zur Mannschaft?
Das Gute bei uns ist, dass wir die Reha beim Verein am Stadion machen. Deshalb verlieren die Verletzten nie die Nähe oder den Austausch mit der Mannschaft. Ich hatte daher immer das Gefühl dabei zu sein. Der Kontakt innerhalb des Teams ist hier sehr eng, viele gehen täglich gemeinsam zum Mittagessen.