Julian Schuster im Interview

»Wir können zeigen, wie ein Miteinander geht«

Freiburgs Kapitän Julian Schuster fährt mit dem Fahrrad zum Stadion, hält nicht mehr viel von Aberglauben und spricht über die Ermordung der Studentin Maria L.

imago

Julian Schuster, 2011 schossen Sie mit einem direkt verwandelten Eckball das »Tor des Monats«. Wollten Sie damals der neue Mario Basler werden, der solche Ecken ja mit Kalkül schlug?
Nein, Mario Basler war kein Vorbild. (lacht) Ich muss dazu sagen, dass schon in der Trainingswoche damals genau das gleiche passiert ist. Wir hatten in der Saison einfach einen Laufweg einstudiert, bei dem Ömer Toprak immer auf den zweiten Pfosten lief, um den Ball dann zurück ins Zentrum zu köpfen. Wenn die Flanke dann mal nicht so genau kam, landete der Ball auch mal im Netz.

Wenn nicht Mario Basler Ihr Vorbild war – wer dann? 
Ich hatte nie das eine, große Vorbild. Vielmehr war es so, dass ich mir von einzelnen Spielern etwas abgeschaut habe. Als kleiner Junge war ich aber großer Fan von Jürgen Klinsmann, als er damals in Stuttgart spielte. Das aber nicht nur, weil er viele Tore schoss. Mich beeindruckte vor allem seine unglaubliche Präsenz auf dem Platz.

Viele Fußballer sind sehr abergläubisch, manche können ohne bestimmte Rituale kaum das Spielfeld betreten. Ziehen Sie sich ihre Schuhe und Stutzen immer noch zuerst links an?
Ich hatte mal eine Phase, in der das wirklich eine zentrale Rolle vor einer Partie gespielt hat. Schuhe und Stutzen ziehe ich heute noch zuerst links an, aber das passiert inzwischen eher im Unterbewusstsein und ist nicht mehr so gewichtig. Ich bin jetzt 31 Jahre alt und mein Aberglaube hat schon deshalb abgenommen, weil ich mich mittlerweile auf die wesentlichen Dinge vor Spielbeginn konzentriere.

Sind Sie generell ein gläubiger Mensch?
Ich bin diesem Thema sehr offen gegenüber. Meine Konfession ist evangelisch, aber ich habe nicht diesen einen Glauben, an dem ich alles festmache. Ich bin schon gläubig, aber eben auf meine Art. Ich bin generell interessiert an anderen Weltanschauungen und höre gerne verschiedene Meinungen. Ob das meine Kinder sind, die noch sehr jung sind, oder jemand ist, der viel Lebenserfahrung gesammelt hat und aus einem anderen Land kommt. Ich versuche einfach zuzuhören und den anderen auch zu verstehen. Ich glaube, wenn man Offenheit zeigt und sich für die Ansichten des anderen interessiert, können erst gar keine Barrieren entstehen.

Als Kapitän des SC Freiburg leben Sie auch Werte vor, der Verein steht für Bodenständigkeit und Weltoffenheit zugleich. Woher kommen diese Eigenschaften bei Ihnen persönlich?
Worüber ich sehr glücklich bin, ist dass ich eine stinknormale Jugend hatte. Ich war mit Freunden unterwegs, bin zur Schule gegangen und konnte ein ganz normaler Junge sein. Das lag natürlich an der Erziehung meiner Eltern, aber auch an der Zeit in meinem Heimatverein FV Löchgau. Bei jedem einzelnen Jugendtrainer habe ich eine wirklich gute Ausbildung genossen. Gleichzeitig waren im Verein immer sehr viele Ehrenamtliche tätig und man lernte viel über menschliche Werte abseits des Platzes. Das hat mich sehr geprägt und ist sicherlich auch einer der Gründe, warum ich letztlich in Freiburg gelandet bin.