Julian Knoth von Die Nerven über Stuttgart, Ulm und Scooter

Steigt der HSV wegen Scooter ab?

Interessieren Sie sich für EM oder WM, die Fußball-Mega-Events schlechthin?
Ja. Aber ich halte da eher mit den kleinen Teams. Die Island-Geschichte bei der EM war natürlich schön. Auch wenn der Hype fast ein wenig zu groß wurde.

Island fährt auch zur WM nach Russland. Trotz des Erfolgs wirkt die Mannschaft immer noch wie Die Nerven auf dem Rock am Ring.
Interessanter Vergleich. Im Fußball und in der Musik geht es für die Kleinen oft darum, kreativ und innovativ zu sein. Wir fühlen uns mit ein paar anderen Bands in Stuttgart ganz wohl.



Was für ein Typ Fan sind Sie?
Kein Schreier, kein Dauersänger, eher ein stiller Beobachter. Ich stehe gerne in der Cannstatter Kurve, im Block über den Ultras.

Mögen Sie die Torhymne des VfB?
»Bro hym« von Pennywise ist immerhin ein Punksong. Ist schon okay – zumindest wenn man sich die Stadion- oder Torsongs bei anderen Vereinen anhört.

Steigt der HSV wegen seiner Torhymne von Scooter ab?
Weil niemand treffen will? Interessante These. Aber der HSV ist schon so oft nicht abgestiegen, an Scooter wird’s nicht liegen.

Warum gibt es eigentlich keine gute Stadionmusik?
Viele Songs sind ja gar nicht schlecht. Weil sie aber in Dauerschleife gespielt werden, kann man sie irgendwann kaum noch von der anderen Kirmesmusik unterscheiden. So geht es mir etwa mit dem Song »Seven Nation Army« von den White Stripes.

Warum schreiben Sie keinen Stadionsong?
Mache ich gerade.

Wirklich?
Als bei der Aufstiegsparty so viele Songs mit VfB-Bezug liefen, sagte ich zu einem Freund: »Komm, lass uns auch einen schreiben. Der wird doch bestimmt mal im Stadion gespielt.« Das fände ich schon ganz gut.

Die Nerven als Stadionrockband?
Bei Babelsberg 03 haben sie mal einen Song von uns in der Halbzeitpause gespielt. Habe ich jedenfalls gelesen. Ich finde auch, dass Rockmusik und Fußball gut zusammen passen. Ich bin ein Fifa-Kind und erinnere mich noch an die Fifa-Soundtracks von früher: da war immer viel Indierock dabei, Bloc Party, Blur oder Radiohead.  

Haben Sie schon mal einen Fußballprofi bei einem Nerven-Konzert gesehen?
Nein. Vielleicht kommt Christian Streich mal vorbei, der hat einen ähnlichen Musikgeschmack. Er war mal bei The Notwist in Straßburg. Davon gibt es sogar ein Foto bei Facebook.


Christian Streich mit Notwist-Schlagzeuger Andi Haberl und Bassist Micha Acher. (www.facebook.com/thenotwist)

Gaizka Mendieta, ehemals teuerster Spieler der Welt, hat nach seinem Karriereende viel Geld in Schallplatten gesteckt. Er legt als DJ auf und spielt Musik von Pavement, The Jam, Dinosaur Jr. und ähnliches.
Ähnlich wie Mehmet Scholl. Der hat ja ein Label, einen Club und legt gut auf. Seine letzten Aussagen zum aktuellen Fußball konnte ich allerdings nicht teilen.

Beitrag über DJ Mendieta

Über wessen Besuch würden Sie sich denn freuen? 
Thomas Hitzlsperger und Mario Gomez finde ich gut. Und vor allem von Martin Harnik.

Ihr Lieblingsspieler?
An ihm scheiden sich die Geister. Aber er ist ein guter Typ. Ich trainiere seit einiger Zeit eine Mannschaft mit geistig Behinderten. Auf einem Termin trafen wir die VfB-Spieler. Martin Harnik, Georg Niedemreier und Christian Gentner fand ich echt angenehm. Die hatten überhaupt keine Berührungsängste und wirkten recht natürlich. Die haben jedenfalls nicht geredet, als hätten sie Floskeln aus dem Medientraining auswendig gelernt.

Janusz Gora hat vermutlich nie ein Medientraining gehabt. Hätte so einer im aktuellen Fußballgeschäft noch eine Chance?
Heute folgt ein Aufschrei, wenn ein Spieler mal eine andere Meinung hat. Sogar ein Per Mertesacker wird tagelang durch die Medien gezerrt, wenn er sagt, dass er sich in die Eistonne legen wird oder über Ängste spricht. Spieler wie Sandro Wagner oder Max Kruse gelten als Riesenrebellen, weil sie etwas direktere Antworte geben. So hörten wir bald nur noch Schablonensätze. Ein Typ wie Jora hätte es mit seiner forschen Art vermutlich sehr schwer. Das ist schade – und vielleicht der eigentliche Skandal!

Die Nerven veröffentlichen diese Woche ihr neues Album »Fake«. Kann man hier oder hier oder in jedem anderen gut sortierten Plattenladen kaufen. Auf Tour ist die Band auch. Zum Beispiel heute Abend in Wiesbaden, Samstag in Berlin und am Sonntag in Hamburg. Alle Tourdaten auf der Facebookseite.