Julian Brandt im Interview

»Ich habe keinen Grund, mich zu verändern«

Ihre Bodenständigkeit hilft ihnen dabei. Wie schaffen Sie es, nicht abzuheben?
Das ist manchmal gar nicht so leicht. Viele Medien schreiben über dich, du bekommst Fans, Leute sagen dir auf der Straße, wie geil sie dich als Spieler finden. Ich kann verstehen, dass manch einer da den Boden unter den Füßen verliert. Bei mir war das aber nie ein Problem, weil ich das richtige Umfeld um mich herum habe. Ich bin ein Familienmensch, der gerne nach Hause fährt und dort abschaltet. Und sollte ich doch einmal abheben, holen mich meine Eltern ganz schnell wieder auf den Boden zurück.

Aber sind die Verlockungen nicht manchmal groß? 
Für mich nicht. Ich habe keinen Grund, mich zu verändern. Das liegt nicht in meiner Natur. Ich bin zwar wie viele ein Fan von großen Autos. Aber ich bin keiner, der mit goldenen Schuhen und exorbitanten Outfits durch die Gegend läuft. Ich habe kein Problem, wenn das jemand tut, aber meine Welt ist das nicht. 

Ist Ihnen eine positive Außendarstellung wichtig? 
Ich achte darauf, wie ich mich in der Öffentlichkeit gebe. Und ich freue mich, wenn mich jemand als sympathisch bezeichnet. Ob das bei jedem auch so ankommt, ist eine andere Geschichte. Aber wenn du dein Leben relativ ruhig gestaltest, wird auch nicht über jeden Blödsinn berichtet. Der mediale Wirbel ist nicht so groß und du kannst dich auf den Fußball konzentrieren.

Zurück zum Sportlichen. Ihr Vertrag bei Bayer Leverkusen läuft noch bis 2019 und ist laut Rudi Völler sattelfest. Warum werden Sie trotzdem so häufig mit Bayern München und Borussia Dortmund in Verbindung gebracht? 
Für mich ist das nichts Außergewöhnliches. Ich sehe auch das als Kompliment. 

Völler betont gerne, wie gelassen er Ihrer Zukunft entgegenblickt. Wie gelassen sind Sie? 
Ich bin sehr jung, kann mir alle Zeit der Welt nehmen und fühle mich in Leverkusen sehr wohl. Es gibt gerade keinen Grund, an irgendetwas zu rütteln. 

Was zeichnet Leverkusen als Verein für junge Talente wie Sie aus? 
Leverkusen ist jungen Spielern gegenüber sehr offen. Der Verein scheut sich nicht, sie ins kalte Wasser zu werfen. Das hat bei mir geklappt, genau wie bei Levin Öztunali, Benjamin Henrichs oder Jonathan Tah. Dadurch haben wir einen jungen Kader, der regelmäßig Champions League spielt. Das hebt uns von anderen Vereinen ab.