Jürgen Klopp über YouTube-Videos und den richtigen Umgang mit Stars

»Ich schreibe keine Gags mit«

Jürgen Klopp ist nicht nur einer der besten Trainer der Welt, sondern wahrscheinlich auch der unterhaltsamste. Vor Beginn der neuen Saison hat er uns einen Witz erzählt. Und mit uns über Humor im Allgemeinen und Dieter Nuhr im Speziellen gesprochen.

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Hinweis: Das Interview erschien erstmals in 11FREUNDE #210. Möglich gemacht wurde der Gesprächstermin von »Warsteiner«, die Jürgen Klopp und dessen ehemaligen Spieler Patrick Owomoyela im Rahmen eines Werbedrehs in Liverpool versammelten. Die Ergebnisse des Drehs seht ihr hier.

Jürgen Klopp, es gibt millionenfach geklickte Videos, in denen Sie als »Funniest Manager Ever« bezeichnet werden. Ein Kompliment?

Um das zu beurteilen, müsste ich die Zusammenschnitte erst sehen. Was wird denn da gezeigt?

Zum Beispiel Antworten von Ihnen aus Pressekonferenzen.
Also Antworten, die von mir auch witzig gemeint waren?

Genau.
Na dann ist das natürlich ein Kompliment. Vieles im Fußballgeschäft wird zu sehr aufgeblasen. Wenn etwa Trainern, zugespitzt formuliert, in einer Doppelpass-Talkrunde ihre Lebensberechtigung abgesprochen wird, weil sie ein Spiel verloren haben – dann ist das schlicht übertrieben. Ich habe mir zum Glück bis heute bewahrt, dass ich das Geschäft die meiste Zeit des Jahres über nicht so wahnsinnig ernst nehme. Und wenn es genügend Material von mir gibt, das lustig genug ist, um daraus Videos zu schneiden, dann finde ich das super. Dabei fällt mir ein: Ein lustiges Video kenne ich sogar.

Welches denn?
Ein Best-of von Josef Schneck und mir. Josef war früher Pressesprecher beim BVB. Das Video habe ich erst vor kurzem entdeckt und ihm dann sofort geschickt. Darauf kam bloß die Antwort: »Jürgen: Das habe ich schon tausendmal gesehen.«

Wen außer Josef Schneck finden Sie lustig?
Zum Beispiel Dieter Nuhr. Ein überragender Typ. Gerade für mich wiederentdeckt habe ich außerdem Tobias Mann. Ich weiß, den kennen nicht so viele, aber ich habe seine Karriere schon früher in Mainz verfolgt. Damals war er noch eher in der Fastnachtssparte unterwegs. Aber mittlerweile ist er auch in der Comedyszene angekommen. Zudem ist er musikalisch talentiert, da stehe ich total drauf.

Schreiben Sie die besten Gags mit, um sie dann später auf Pressekonferenzen rauszuhauen, um in Youtube-Zusammenschnitten als »Funniest Manager Ever« bezeichnet zu werden?
Um Himmels willen, nein. Ich schreibe keine Gags mit. Aber wenn ich einen Witz höre, kann ich ihn mir meistens merken.

Na dann, Feuer frei …
Forscher haben herausgefunden.

Und?
Sind direkt wieder reingegangen! (Lacht sehr laut.) Nicht schlecht, oder? Doof ist nur, dass ich Wortwitze dieser Art in England schlecht anbringen kann. Sehr schade.

Ist es Ihnen wichtig, dass die Leute Sie für einen lustigen Kerl halten?
Nein. Das ist mir eigentlich egal.

Anders gefragt: Könnten Sie auch mit einer Bösewichtrolle à la Mourinho glücklich sein?
Nein. Ich bin ein normaler Mensch und habe es dementsprechend lieber, wenn Leute mich positiv und nicht negativ wahrnehmen. Aber ich fühle mich dafür nicht verantwortlich. Mir ist nicht wichtig, dass die Menschen alles gut finden, was ich mache. Aber ich halte es für wichtig, dass nicht alles, was ich mache, den Leuten übel aufstößt. Ich will nicht aus Prinzip anecken oder gegen den Strom schwimmen.

Von den 24 Spielern im Liverpool-Kader: Wie viele davon mögen Jürgen Klopp?
Mögen? Ich weiß nicht, ob das so wichtig ist. Aber die Spieler sollten mir wohlgesonnen sein. Wir verbringen so viel Zeit miteinander, da ist es recht praktisch, wenn ich nicht ständig gegen Widerstände ankämpfen muss.

Von außen betrachtet hat man den Eindruck: Was Kommunikation angeht, machen Sie sehr viel richtig. Wann lagen Sie zuletzt mal daneben?
In irgendwelchen Pressekonferenzen zum Beispiel. Allerdings nicht so nachhaltig, dass ich mich jetzt gerade konkret daran erinnern oder dass ich es bis heute mit mir herum schleppen würde.

Wenn es doch mal ausufert: Wer macht Sie auf ein Fehlverhalten aufmerksam? Der Pressesprecher? Ihre Familie?
Ich raffe das dann schon selber. In der Hinsicht halte ich meinen gesunden Menschenverstand für relativ ausgeprägt. Wobei es durchaus Dinge gibt, die ich aus der Emotion heraus gesagt habe, die ich aber später, wenn ich diese Gefühle gar nicht mehr in mir habe, trotzdem noch für richtig halte. Dinge, die ich nicht zurücknehmen würde.

Zum Beispiel?
Nach dem letzten Pokalfinale mit Borussia Dortmund, als Gerhard Delling mir nach dem Spiel mit seinen Fragen gestrichen auf den Geist ging.

Sie äfften ihn erst nach und sagten ihm dann, dass er im Umgang mit Ihnen »noch ein bisschen was dazu lernen könnte«.
Wir hatten gerade wieder ein Finale verloren, das 1:3 gegen Wolfsburg war gleichzeitig mein letztes Spiel als Dortmund-Trainer gewesen – und Delling wollte ein ganz normales Interview führen. Da war ich kurz davor, richtig auf die Palme zu gehen.