Johnny Rotten über Arsenal, Podolski und Stehplätze

»Wir lieben Mertesacker!«

Haben Sie heute noch Fans unter den Fußballprofis?
Vermutlich ist jeder zweite ein Fan von mir.

Sie scherzen.
Gucken Sie sich mal die Frisuren der heutigen Spielergeneration an. Alles Punks, alle mit Mohawk oder gefärbten Haaren – wie ich früher. (Lacht.) Im Ernst: In den Siebzigern hätten die mit ihren Tattoos und Haaren Aufsehen erregt, heute ist das common sense. Es gibt mittlerweile nur wenige Typen, die das nicht mitmachen – Mertesacker und Podolski, zum Beispiel.

Was halten Sie von den beiden?
Podolski ist ein netter Typ, manchmal erinnert er mich an einen frechen Hooligan-Jungen. Er hat einen guten Abschluss, aber er ist so faul. Er ist nie zurückgelaufen – aber dummerweise auch nie nach vorne. Ist er übergewichtig? Vielleicht sollte er weniger Donuts essen. Aber jetzt ist er ja eh weg.

Und Per Mertesacker?
Auch extrem langsam und manchmal behäbig. Wenn er aber gut drauf ist, kann er gefährliche Situationen frühzeitig erkennen und die Mannschaft mitreißen. Manchmal brauchst du nicht die besten Spieler, sondern einfach nur die besten Typen. Außerdem hat er den coolsten Spitznamen, den man haben kann: BFG – Big Fucking German. Jedes Mal, wenn wir ihn mit diesem Namen besingen, lächelt er. Cooler Typ. Wir lieben ihn.

Was ist mit Mesut Özil?
Aus ihm werde ich nicht schlau. Vermutlich ist er brillant, und es fehlen ihm schlichtweg die brillanten Mitspieler.

Wenger sieht das anders.
Wenger ist für mich ein religiöser Diktator. Der Mann macht mich Jahr für Jahr verrückter mit seiner arroganten französischen Art.

Sie haben ihn mal mit dem ehemaligen Sex-Pistols-Manager Malcolm McLaren verglichen.
Ich mag diesen Vergleich. Beide maßen sich an, alles immer besser zu wissen. Es sind Typen, die man mit Vorsicht genießen muss.

Sie sagen, dass Sie keine Ahnung von Taktik haben. Was werfen Sie Wenger vor?
Er ist ein Theoretiker, ein Professor, der Theorie vor Menschlichkeit stellt. Was ihm aber vor allem fehlt, ist ein Plan. Er stellt die Spieler nicht mal mehr darauf ein, gegen wen sie spielen. Wir verlieren plötzlich 3:6 gegen Manchester City, 1:5 gegen Liverpool oder 0:6 gegen Chelsea. Mertesacker hat mal etwas sehr Interessantes dazu gesagt: »Wir als Spieler müssen gucken, dass wir uns besser auf den Gegner einstellen.« Das impliziert für mich, dass sich das Team mittlerweile selbst coacht.

Stimmt es eigentlich, dass Sie und Malcolm McLaren mal Angebote von Arsenal hatten?
Ich war 14 Jahre alt, als ein Scout an unsere Schule kam. Ich durfte dann einmal vorspielen, war aber nicht gut genug.

Und McLaren?
Ich kenne das Interview, in dem er das behauptete. Aber ich bitte Sie! Hätten Sie sich den kleinen Lord auf dem Platz vorstellen können?

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John Lydon, 59, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Johnny Rotten, war ab 1975 Sänger der englischen Punkband Sex Pistols. Mit Public Image Ltd. veröffentlicht er im September sein neues Album »What the World Needs Now«. Kürzlich waren PIL erstmals nach dreißig Jahren wieder in Deutschland auf Tour. Im November spielen sie eine Tour in Nordamerika.