Johan Kramer über Cruyff

»Er war mehr als ein Spieler«

In einem Kurzfilm beleuchtet Regisseur Johan Kramer die besondere Beziehung zwischen Johan Cruyff und Horacio Sequi. Im Interview spricht er über »Horacio & Johan«, Cruyffs Vermächtnis und den besten Spieler der Welt.

Screenshot Youtube

Johan Kramer, in Ihrem Geburtsjahr 1964 debütierte Johan Cruyff für die Profis von Ajax Amsterdam. Später spielten auch Sie selber für Ajax. War Cruyff Ihr Idol?
Cruyff war ein fantastischer Spieler und ich habe ihn sehr gemocht, aber mein wahrer Held war Johan Neeskens. Er war ein harter Spieler – und ich habe seine langen blonden Haare geliebt. Alle meine Freunde waren Cruyff-Fans, also habe ich mich für den anderen Johan entschieden. Ich war so ein großer Bewunderer, dass ich im Alter von acht Jahren meinen wahren Vornamen Jan Jasper in Johan geändert habe. Ich habe mich vor meine ganze Klasse gestellt und allen gesagt, dass Johan jetzt mein Name sei. Und das ist er immer noch, außer auf meinem Pass.

Sieben Jahre später wechselte Cruyff nach Barcelona. Was sind Ihre Erinnerungen an den Spieler Johan Cruyff?
Cruyff war ein eleganter Spieler. Wenn er für Ajax und Oranje auflief, hatten die Fans das Gefühl, verlieren sei unmöglich. Er war immer am Dirigieren und Kommunizieren. Und er hat wunderschöne Tore erzielt. Aber vor allem war er mehr als ein Spieler. Er gab dem ganzen Land Selbstbewusstsein und eine Identität durch seinen freien und demokratischen Fußball.

In Ihrem neuen Film »Horacio & Johan« zeigen Sie eine Vielzahl von seltenen und sehr persönlichen Fotos aus Cruyffs Zeit bei Barça. Was hat Sie inspiriert, diesen Film zu machen?
Das ist schon mein fünftes Projekt mit Barça-Bezug. Der letzte Kurzfilm handelte von Manel Vich, den ehemaligen Stadionsprecher des Klubs. Während der Aufnahmen dafür habe ich von dem Fotografen Horacio Sequi gehört. Und als Cruyff starb, verspürte ich den Drang, diesem großen Spieler ein anständiges Denkmal zu setzen.

Die Fotografien von Horacio Sequi sind unglaubliche Geschichtsstücke des Fußballs und von Cruyff persönlich. Was haben Sie beim Sichten des Materials gefühlt?
Es war super aufregend. Ich fühlte mich wie ein Kind, dass in einen Süßigkeitenladen geht. Das kleine Haus von Haracio ist voll von Fotos und alten Magazinen. Besonders die alten Zeitungen und die rohe Qualität der Bilder haben mich begeistert.