Jens Duve über HSV-Coach Peter Knäbel

»Eine mutige Entscheidung«

Peter Knäbel soll den HSV vor dem Abstieg bewahren, aber wer ist dieser Mann? Wir fragten bei seinem ehemaligen Mitspieler Jens Duve nach.

imago

Jens Duve, wann haben Sie das letzte Mal mit Peter Knäbel Doppelkopf gespielt?
Während unserer gemeinsamen Zeit bei St. Pauli hatten wir mit André Trulsen, Klaus Thomforde und Klaus Ottens eine verschworene Doppelkopfrunde, die auch später noch Bestand hatte. Aber seit Peter beim HSV ist, hat er einen 24-Stunden-Job, und das sieben Tage die Woche. Da bleibt für Doppelkopf keine Zeit.

Gerade für jüngere Fußballinteressierte ist Knäbel ein unbeschriebenes Blatt. Sie haben zwischen 1988 und 1991 mit ihm zusammengespielt. Was ist er für ein Typ?
Ein sehr netter, intelligenter und ehrlicher Kerl. Wir haben während unserer gemeinsamen Zeit bei St. Pauli sehr viel miteinander unternommen und ich kann wirklich nur das Beste über ihn sagen. Aber er ist ein anderer Typ als Joe Zinnbauer. Ruhiger und zurückhaltender, eher ein klarer Analytiker als ein Motivator. Peter ist keiner, der in der Kabine ausrastet.

Jetzt ist er Interimscoach des HSV. Wäre ein Motivator, der auch mal laut wird, in der gegenwärtigen Situation nicht eher angebracht?
Zinnbauer war ja so ein Trainer, geklappt hat es nicht. Vielleicht ist Peter genau der Coach, den die Mannschaft jetzt braucht.

Waren Sie überrascht, dass er als Interimstrainer einspringt? Knäbel war jahrelang als Sportdirektor oder im Nachwuchsbereich tätig, sein letzter Trainerjob liegt 15 Jahre zurück.
Ich war schon überrascht. Peter war jahrelang beim Schweizer Fußballverband als Technischer Direktor beschäftigt, und immer, wenn wir Kontakt hatten, hat er sehr von seiner Tätigkeit geschwärmt. Die organisatorische, strategische Ebene war eher das, was ihn zu interessieren schien, weniger der Trainerberuf. Beim HSV stand er gemeinsam mit Didi Beiersdorfer vor der Saison für einen strategischen Neuanfang, nun ist er auf die Trainerbank gerutscht. Da muss man abwarten, ob das klappt.

Könnte Knäbels St. Pauli-Vergangenheit ein Nachteil sein? Möglicherweise sind die Fans im Falle des Misserfolgs weniger nachsichtig?
Das glaube ich nicht, schließlich war seine St. Pauli-Vergangenheit auch bei seiner Vorstellung als Sportdirektor nie ein großes Thema. Wahrscheinlich haben ihn die meisten HSV-Fans überhaupt nicht mehr als St. Pauli-Spieler auf der Rechnung. Und Spieler- oder Trainerwechsel zwischen rivalisierenden Klubs sind ja mittlerweile viel normaler als früher. Spieler wie Manni Kaltz, die ihr ganzes Leben bei einem Verein verbringen, gibt es ja kaum noch.