Jena-Profi Starke über seine Stammzellenspende


»Ich kann ein Menschenleben retten«

Wenn Carl Zeiss Jena am 21.05. im Landespokalfinale auf Wismut Gera trifft, wird Stammspieler Manfred Starke fehlen. Freiwillig. Denn während seine Kollegen um den DFB-Pokal-Einzug kämpfen, versucht Starke ein Leben zu retten.

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Manfred Starke, warum spenden Sie ihre Stammzellen?

Vor zwei Jahren gab es bei meinem Verein Carl Zeiss Jena eine Aktion. Damals ging es um einen kleinen Jungen aus Jena, den fünfjährigen Fredrik. Er war schwer erkrankt und wir wollten helfen. Also haben sich alle im Verein typisieren lassen: Die Mannschaft, das Trainerteam, die Mitarbeiter. So konnten wir die Öffentlichkeit auf den Fall aufmerksam machen – und zwei Monate später war ein geeigneter Spender für Frederik gefunden.

Nicht jeder, der sich typisieren lässt, ist am Ende auch als Stammzellenspender geeignet. Wann haben Sie erfahren, dass sie dazu gehören?
Vor knapp drei Monaten bekam ich einen Anruf und mir wurde erzählt, dass ich eventuell als Spender in Frage kommen könnte. Weiter hieß es, dass noch Tests zur genaueren Bestimmung nötig wären. 



Und sie sagten ohne zu zögern zu?

Ja. Die Wahrscheinlichkeit, dass man die Möglichkeit bekommt, einem anderen Menschen zu helfen, ist sehr gering. Nur etwa jeder Hundertste, der sein Blut überprüfen lässt, bekommt diese Chance. Dementsprechend habe ich ohne zu zögern geantwortet: »Klar. Können wir gerne machen«. Vor eineinhalb Monaten kam dann die Nachricht, dass es klappt.



Haben Sie Angst, vor dem, was jetzt kommt?
Ich bekomme die einmalige Möglichkeit, einem anderen Menschen zu helfen. Das ist, als würde man auserwählt werden. Wenn ich selbst schwer erkrankt wäre, würde ich mir doch auch wünschen, dass mir jemand hilft. Deswegen musste ich überhaupt nicht überlegen.

Wie genau geht es jetzt weiter?

Ich war am Mittwoch nochmal zur Voruntersuchung im Krankenhaus. Meine Lunge wurde geröntgt, mir wurde Blut abgenommen, es wurde ein EKG gemacht, meine Organe wurden per Ultraschall gecheckt. Ich muss ja gesund sein, wenn ich helfen will. Außerdem wurde mir ein Medikament mitgegeben, was ich mir die fünf Tage vor der Spende spritzen muss. Dieses Medikament regt die Stammzellenproduktion an - so dass man mich dann möglichst ertragreich anzapfen kann. Am 22.05. wird mir dann in Dessau das Blut abgenommen. Das Problem ist nur, dass dieses Medikament die Milz größer werden lassen kann.

Was für Sie als Leistungssportler gefährlich werden könnte.

Genau. Ich selber bekomme davon zwar nicht viel mit, meine Symptome werden eher wie bei einer Grippe sein: Knochenschmerzen, Gliederschmerzen, Fieber. Aber so lange die Milz zu groß ist, darf ich keinen Sport machen.

Weswegen Sie das Landespokalfinale am 21.05. mit Carl Zeiss Jena verpassen. Was haben Ihre Kollegen dazu gesagt?

Sie standen sofort alle hinter mir. Ob es die Mitspieler waren, die Trainer oder das Ärzteteam. Wir haben uns ja auch damals nicht zum Spaß typisieren lassen. Jetzt drücken mir alle die Daumen.

Glauben Sie, dass Sie andere Sportler mit der Aktion inspirieren können?
Ich hoffe es. Denn ich versuchen ja auch mit Interviews wie diesem hier, Leute zu animieren. Denn mit der Spende ist es nicht mehr wie früher: Man bekommt keine Nadel mehr in den Rücken gekloppt und hat dann wahnsinnige Schmerzen. Es gibt neue Methoden, und die machen es dir als Spender verdammt einfach. Du musst nur für ein paar Tage die Zähne zusammenbeißen – und kannst damit Menschenleben retten.