Jena-Kapitän René Eckardt über die Pokalsensation und die Party danach

»Die meisten konnten schon wieder laufen«

Als der FC Carl Zeiss Jena den Hamburger SV aus der ersten Pokalrunde kegelte, war er mittendrin: FCCZ-Kapitän René Eckhardt über Nachlässigkeiten beim HSV und Restalkohol.

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René Eckardt, am Sonntag sorgten Sie mit Carl Zeiss Jena für die größte Pokalsensation der ersten Runde. Wie sahen die Feierlichkeiten im Anschluss aus?
Es war fantastisch. Die ganze Stadt war auf den Beinen und hat gefeiert. So etwas erleben wir nicht allzu oft in Jena, weswegen jeder einzelne von uns, jeden Moment aufgesogen hat. Und natürlich haben wir auch das ein oder andere Mal auf uns selbst angestoßen.

Aber es sind schon alle wieder zur Arbeit erschienen? Oder gab es Ausfälle?
Keine Sorge, es waren alle Mann an Bord. Die meisten konnten sogar schon wieder laufen (Lacht.)

Vor allem das 1:0 durch Justin Gerlach war kurios, weil der HSV ganz offensichtlich bewusst auf eine Mauer verzichtet hat. Haben Sie so etwas schon mal erlebt?
Ganz ehrlich, noch nie. Wahrscheinlich hat René Adler nicht damit gerechnet, dass der Lange den Ball so trifft und wollte freie Sicht. Das ging nach hinten los. 

Man könnte dem Bundesligisten vorwerfen, dass er den Regionalligaklub nicht richtig ernst genommen hat. Haben Sie das auch so wahrgenommen?
Das mag schon sein. Aber als das 1:1 gefallen war, sind wir aus allen Wolken gefallen. Der Ball war klar im Aus und das hat auch jeder im Stadion gesehen. Das hat uns einen Ruck gegeben und wir haben gesagt: »So scheiden wir nicht aus. Wir zeigen es ihnen!«

Ihr Mitspieler René Klingbeil war mal beim HSV. Hat er die Truppe vor dem Spiel gegen seinen Ex-Klub besonders heiß gemacht?
Das brauchte er gar nicht. Aber natürlich hat Klinge vor dem Spiel noch ein paar Worte gesagt. Ich bin mir aber sicher, dass viele gar nicht zugehört haben, weil sie so heiß waren, rauszugehen und einen Fight abzuliefern. Wir sind froh, dass wir so einen erfahrenen Mann wie Klinge haben.

Johannes Pieles erzielte als Youngster das Siegtor. Das kann in Fußballmannschaften mitunter teuer werden. Musste er die gesamten Feierlichkeiten finanzieren?
Ich glaube mal eher, dass er gar nichts bezahlt hat. Seinem breiten Grinsen heute nach zu urteilen, hatte er einen sehr schönen Abend. Wie wir alle. 

Nun kamen Meldungen auf, dass das Spiel der nächsten Runde wohl nicht im Ernst-Abbe-Sportfeld stattfinden kann, weil dem Stadion das Flutlicht fehlt. Ein Nachteil?
Natürlich, darüber haben wir heute auch schon gesprochen. Nach meinen Informationen gibt die Stadt einen finanziellen Zuschuss, um ein Flutlicht bereitzustellen. Wir können also in Jena spielen und mit diesen Fans im Rücken hat es jeder schwer gegen uns. 

Wen wünschen Sie sich denn für die nächste Runde?
Man wünscht sich immer den größtmöglichen Gegner. Aber wir wollen auch so weit kommen wie möglich. Deswegen kann es für mich persönlich auch eine Nummer kleiner sein. Es ist ja nicht üblich, dass man in jeder Runde eine Sensation abliefert. 

Am Wochenende spielen sie in der Regionalliga gegen BFC Dynamo Berlin. Wie legt man nach dem Pokaltriumph den Schalter um?
Wir alle haben zwei Tage frei bekommen. Da hat jeder die Möglichkeit, das Erlebte auf seine eigene Art zu verarbeiten. Danach heißt es wieder volle Konzentration auf die Liga. Gegen den BFC wird uns kein Gegner ehrfurchtsvoll aus dem Weg gehen, nur weil wir den HSV aus dem Pokal geworfen haben. Ich glaube, jeder von uns weiß, dass wir uns davon ab sofort nichts mehr kaufen können. Dennoch werden wir dieses Spiel niemals vergessen.