Ist das der Fußball-Schuh der Zukunft?

»Ähnlich revolutionär waren nur Stollen«

Noppen auf Fußball-Schuhen, was soll das bringen? Es macht Fußballer noch besser, behauptet der Erfinder Ulrich Becker.

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Ulrich Becker, Sie wollen also den Fußball-Schuh-Markt revolutionieren?
Sagen wir, ich möchte ihn verbessern. Und gute Fußballer noch besser machen.
 
Jetzt sind wir gespannt. Wie wollen Sie das anstellen?
Ich habe das »Burlex-Noppensystem« entwickelt. Ganz simpel erklärt: der Schuh wird mit speziellen Noppen beklebt, die für bessere Kontrolle und viel mehr Effet beim Schuss sorgen.
 
Das sieht schwer nach Restbeständen aus der Tischtennis-Szene aus.
(lacht) Gut geraten! Die Noppen sind letztlich denen von Tischtennisschlägern nicht unähnlich. »Tischtennis-Effekt« nenne ich das, was die Schuhe damit können.
 
Und wie soll das Ganze funktionieren?
Die Noppe hat einen unschlagbaren Vorteil: beim Aufprall des Balls dehnt sie sich aus und vergrößert so die Oberfläche. Was dazu führt, dass Bälle einfacher angenommen werden können. Gleichzeitig sorgt der Noppen-Effekt dafür, dass die Bälle beim Schuss eine für den Torwart unberechenbare Flugbahn bekommen. Je nach Noppen-Art kann man so auch die unterschiedlichsten Spielertypen angemessen ausrüsten: für den schwerfälligen Verteidiger die weichere Variante für noch mehr Oberfläche, für den technisch starken Stürmer eine etwas härtere Noppe, was das Spiel schneller und direkter macht.
 
Das klingt bislang alles sehr überzeugend. Nur: wurden die Teile denn auch schon in der Praxis getestet?
Selbstverständlich! Ich habe Kontakte zur Damen-Mannschaft der TSG Hoffenheim, die haben damit Trainingseinheiten und Spiele bestritten. Deren Fazit: der Ball springt bei der Annahme nicht mehr so weit vom Fuß weg, die Spielerinnen haben bei jeder Bewegung einen Schritt gespart. Auch von anderen Testern habe ich ein ähnlich positives Fazit bekommen, darunter ehemalige Profis, die mir anschließend alle gesagt haben: »Herr Becker, die Idee ist genial.«
 
Wo ist der Haken an der Sache?
Ich bin kein Sportartikelhersteller und möchte auch keiner sein. Die Rollen sind ja nun mal von den großen Marken bis in alle Ewigkeit besetzt. Also bin ich bei Adidas, Nike und Co. vorstellig geworden. Unter vier Augen habe ich jedes Mal tolles Feedback erhalten. Aber offiziell will sich bislang niemand damit ernsthaft befassen. Was ich einfach nicht verstehen kann.