Interview: Wie Niklas Stark bei Hertha BSC zum Führungsspieler reift

»Das Richtige im richtigen Moment«

Lassen Sie uns über vergangenen Sommer sprechen. Wie spielt es sich mit einer gebrochenen Rippe?
Nicht ganz so toll, muss ich sagen.

Sie haben sich die Rippe bereits im ersten Gruppenspiel der U21-EM gebrochen.
Ja, wir dachten alle es wäre nur eine Prellung. Zum Glück habe ich nicht gewusst, dass sie gebrochen ist, sonst hätte ich wahrscheinlich aufgehört. Es war natürlich nicht so angenehm. Ich habe von Spiel zu Spiel geschaut, dass ich es irgendwie hinbekomme. Ich war viel in der Sauna und im Pool. Als es dann in Richtung Halbfinale und Finale ging, gab es auch noch die ein oder andere unangenehme Spritze. Wir haben alles versucht, damit ich spielen kann. Zum Glück hat es geklappt.

Zur selben Zeit hat auch der Confed-Cup stattgefunden. Hätten Sie lieber diesen Titel geholt?
Schwer zu sagen, aber den Confed-Cup kann ich ja theoretisch noch gewinnen. (Lacht.) Dann hätte ich beide Titel, wäre doch auch schön. Bei der U-21 haben wir das Turnier natürlich auch verfolgt. Aber wer weiß, ob ich beim Confed-Cup überhaupt gespielt hätte. Deswegen bin ich froh, bei der U21 gewesen zu sein. Es war wirklich eine geile Zeit, die wir im Finale gekrönt haben. 

Die U21 ist für sie Vergangenheit. Fehlt es Ihnen bereits oder genießen Sie die neu gewonnenen Pausen?
Sowohl als auch. Wenn ich auf Instagram die ganzen Bilder sehe, vermisse ich die Zeit schon. Es war immer eine tolle Atmosphäre beim DFB und hat sehr viel Spaß gemacht. Auch das Team hinter dem Team war einfach besonders. Aber andererseits ist es auch schön, frei zu haben, die Familie besuchen zu können, oder einfach irgendwohin zu fahren.

Nicht nur bei der U21, sondern auch bei der Hertha gelten Sie als absoluter Führungsspieler. Sehen Sie das genauso?
Ja, ich versuche es zumindest.

Was versuchen Sie?
Viel zu reden, viel zu machen. Ab und zu auch das ein oder andere Tor oder einen Assist beizusteuern. Vor allem aber mich und die gesamte Mannschaft voran zu treiben, damit wir kompakter stehen.

Was macht denn einen guten Führungsspieler für Sie aus?
Ein guter Führungsspieler muss in den richtigen Momenten einfach das Richtige tun. Das kann beispielsweise ein Foul sein. Es mag blöd klingen, aber dadurch sieht die Mannschaft, dass du da bist und du kannst damit alle mitreißen. Oder du schreist ein bisschen rum. (Lacht.) Ja, das gehört alles dazu. Es ist wichtig, in gewissen Momenten das richtige Signal an die Mannschaft zu senden.

Haben Sie Vorbilder in Sachen Führungsqualitäten?
Steven Gerrard. Er war eigentlich schon immer mein Vorbild. Ich habe damals das Champions-League-Spiel gesehen. Er war beeindruckend. Wann war das nochmal?

2005.
Ja genau. Seit diesem Spiel ist er mein Vorbild. Durch sein Kopfballtor hat er die ganze Mannschaft mitgerissen. Er machte einfach das Richtige im richtigen Moment. Nicht nur seine Spielweise und das wichtige 1:3, besonders sein Auftreten und die Körpersprache haben mir imponiert.

Sie selbst sind erst 22 Jahre alt. Werden Sie von noch jüngeren Spieler nach einem Rat gefragt? 
Ja, aber das hat nichts mit dem Alter zutun glaube ich. Ich frage auch oft andere, wie sie eine Situation gesehen haben. Wir helfen uns immer gegenseitig und jeder kann von jedem lernen. Das Wichtigste ist der Austausch, da kann ich oder ein anderer Spieler nicht einfach sagen: »Hey ich bin der Erfahrene, ich erzähl dir jetzt was«.