Interview: Vedad Ibisevic

»Jeder Profi ist in Gefahr abzuheben«

Vedad Ibisevic war längst weg vom Fenster. Jetzt hat er in Berlin sein Glück gefunden. Ein Gespräch über Tore, Vertrauen und seine Kindheit als Flüchtling.

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Vedad Ibisevic, es heißt, Sie könnten sich detailgetreu an jedes Ihrer Tore erinnern.
Stimmt, an gute Momente erinnert sich doch jeder gern.  

Haben Sie ein Ranking Ihrer schönsten Tore im Kopf?
Nein, ein Ranking habe ich nicht aufgestellt. Alle Tore sind mir auf ihre Art wichtig. 

Aber ein paar stechen doch heraus.
Natürlich sind einige mit besonderen Emotionen verbunden, einige haben auch aus dem Spielverlauf heraus eine größere Bedeutung. Aber, glauben Sie mir, ein Tor ist immer ein super Gefühl. 

Vor kurzem haben Sie Ihr 100. Bundesligator erzielt. Nur sechs ausländische Spieler haben mehr Treffer erzielt.
Wer hätte das gedacht? In meinen zehn Jahren Bundesliga gab es immer wieder Gespräche und Möglichkeiten, ins Ausland zu wechseln. Jetzt bin ich froh, dass ich geblieben bin.

Wohin hätten Sie denn gehen können?
Es gab verschiedene Möglichkeiten: England, Italien oder Spanien, zuletzt auch China oder USA. Manches Mal war ich kurz davor, den Schritt zu machen. Aber aus heutiger Sicht muss ich sagen: Es fühlt sich gut an, auf einen zusammenhängenden Block, eine Einheit von Jahren zurückzublicken. Die hätte ich nie gemacht, wenn ich drei, vier Jahre in Italien gekickt hätte.  

Liegt Ihnen die deutsche Mentalität?
Ich glaube schon. In zehn Jahren ist das Land auch zu einer Art Zuhause für mich geworden.

Als Sie Anfang der vergangenen Saison vom VfB Stuttgart nach Berlin wechselten, hieß es, Sie wären dort auch deshalb ausgemustert worden, weil Sie sich hängen ließen.
Keine Ahnung, wie die Leute darauf kamen. Jeder, der mich kennt und die Situation mitbekommen hat, weiß genau, dass ich immer Gas gegeben habe. Doch ab irgendeinem Moment hat man mir dort kein Vertrauen mehr geschenkt. So war klar: Wenn es in Stuttgart nicht weitergeht, muss ich für neue Aufgaben fit sein. Schon allein deshalb habe ich im Training alles gegeben.

In den ersten beiden Jahren beim VfB lief es prima, dann wurden Sie peu à peu ausgemustert. Was war das Problem?
Da müssen Sie die damals Verantwortlichen fragen. Es war so, dass ich auf einmal keine Rolle mehr spielte und kein Vertrauen mehr spürte. Wenn sich eine Situation so entwickelt, wirkt sich das bei jedem Spieler negativ auf die Leistung aus. Und irgendwann habe ich dann gar nicht mehr gespielt. 

Es gab nie einen Zwischenfall, der zu dieser Lage führte?
Nein, sonst hätte das sicher jeder mitbekommen.

Alexander Zorniger und Robin Dutt wollten dem VfB Stuttgart zur Saison 2015/16 ein ganzheitliches Konzept überstülpen. Kann es sein, dass Sie da schlichtweg nicht hineingepasst haben?
Noch mal: Ich weiß nicht, was das Problem war. In den letzten beiden VfB-Jahren hat eigentlich keiner mehr großartig mit mir gesprochen. Ich weiß nur, dass ich irgendwann keine Rolle mehr spielte und weg sollte. Warum, hat mir nie jemand gesagt. Aber gut, es ist so passiert und für mich ist das Thema abgeschlossen. 

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