Interview: Valentino Lazaro von Hertha BSC

»das gesamte Produkt Fußball ist größer«

Wie sehr hat es Sie beeindruckt, dass Mateschitz persönlich auf Sie zukam?
Das kann man sich ja wohl vorstellen. Du bist 15, kommst eigentlich aus dem Nichts, und dann setzt sich jemand, der einen Riesenkonzern aufgebaut und unendliche Möglichkeiten hat, mit dir hin und sagt: »Wir wollen dich unterstützen. Wir sehen, dass du Potenzial hast, das wollen wir fördern.« Dafür bin ich ihm ewig dankbar. Ich bin froh, ihn als guten Bekannten, ja fast schon als Freund an meiner Seite zu wissen. Auch heute noch.

Als Freund?
Es ist jetzt nicht so, dass wir uns regelmäßig zum Essen treffen oder dauernd telefonieren. Aber gerade erst haben wir uns ein paar SMS geschrieben. Er hat mir auch zu meinem Wechsel zu Hertha BSC alles Gute gewünscht. Es ist schon eine Wertschätzung, für die ich dankbar bin. Mateschitz ist kein Mann, der im Vordergrund stehen muss. Er ist ein sehr bodenständiger und aufrichtiger Mensch.

Fühlen Sie sich durch die Zusammenarbeit mit Roger Schmidt und Ralf Rangnick gut vorbereitet auf die Bundesliga?
Ich glaube schon. Mit Schmidt und Rangnick ist ein anderer Fußball in mich reingekommen. Ich habe sehr wichtige Dinge gelernt, von denen ich jetzt profitiere.

Wo sehen Sie Unterschiede?
Die Bundesliga in Deutschland ist eine viel größere Bühne – von den Stadien her und auch medial. Es gibt mehr Fans, das Interesse ist viel größer und ausgeprägter. Man merkt, um wie viel das gesamte Produkt Fußball größer ist: mehr Geld, größere Vereine, bessere Spieler. Das Ganze wächst auch schneller als in Österreich. Allerdings könnten Mannschaften wie Salzburg oder Rapid und Austria Wien auch hier in der Bundesliga mithalten.

Was ist auf dem Rasen anders?
Das Spiel ist hier ein bisschen schneller, ein bisschen intensiver. Man kann sich keine Pause gönnen. Mit Salzburg konnten wir auch manches Mal einen Gang runterschalten, ohne dass es für uns gefährlich wurde. Das geht hier nicht, hier kann jeder Fehler bestraft werden.

Pal Dardai lobt Ihre Variabilität. Kann es auch ein Nachteil sein, wenn man kein Experte für eine feste Position ist?
Das bin ich schon oft gefragt worden, und ich antworte eigentlich immer das Gleiche: Unter Trainer Adi Hütter musste ich mit 17 oder 18 eine Weile hinten rechts aushelfen, sogar in der Europa League. Es funktionierte sehr gut, ich wurde sogar schon mit David Alaba verglichen, der auch ein gelernter Offensiver ist. Damals war ich froh, überhaupt Spielzeit zu bekommen, egal auf welcher Position. Aber wenn du ein wenig älter bist, denkst du dir schon, offensiv ist mehr deine Ausrichtung. Aber es kommt auch immer auf den Gegner an. Wenn der Trainer sagt, wir wollen mit einer Fünferkette spielen, und du kannst links oder rechts die ganze Seite beackern, dann mache ich das genauso gerne wie eine andere Position. Ich habe mehrere Positionen, auf denen ich mich auskenne und wohlfühle.

Als was sehen Sie sich unmittelbar vor dem Einschlafen?
Wenn ich ans Spiel denke, stelle ich mir lieber vor, wie ich den Gegner ausspiele und ein Tor mache, als dass ich einen Ball weggrätsche. Es ist schon schön, wenn man Lob für etwas bekommt, das man gar nicht gelernt hat. Aber ich habe mich gefreut, als ich wieder weiter vorn spielen und Tore schießen durfte.