Interview mit Uwe Hünemeier

»Jürgen Klopp empfahl mir einen Umweg«

Wenn Paderborn Dortmund empfängt, werden eifrig Hände geschüttelt: Viele Paderborner starteten ihre Karriere beim Revier-Konkurrenten. Kapitän Uwe Hünemeier spricht über seine Zeit beim BVB und seine Rolle als SCP-Führungsspieler.

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Uwe Hünemeier, wie fühlt es sich an, ohne Druck Fußball zu spielen?
Moment! Dass wir zurzeit von außen kaum Druck spüren, heißt nicht, dass wir keinen Zug in der Mannschaft haben. Wir bauen uns den Druck selber auf. Glauben Sie mir, unser Trainer kann das sehr, sehr gut. (lacht)

Wie baut André Breitenreiter Druck auf?
Er stellt uns akribisch auf die Gegner ein und sagt jedem Spieler immer wieder, was er von ihm erwartet. Diese Erwartung will natürlich jeder erfüllen. Der Druck besteht also darin, den Plan umzusetzen. Es geht um die absolute Leistungsbereitschaft. Wer die im Training nicht zeigt, sitzt am Wochenende auf der Bank. So viel zum Thema Druck. Klar ist aber auch: Hier geht kein Spieler mit Angst auf den Platz. Wir sollen mutig auftreten und dürfen Fehler machen.

Gibt es für einen Profifußballer etwas Schöneres, als am Wochenende als Außenseiter aufzulaufen?
Wir können am Spieltag tatsächlich mit Spaß und Freude rausgehen und das tun, was wir lieben: kicken. Es gibt ein paar ambitionierte Bundesligaklubs, die schon jetzt, nach elf Partien, gewaltig unter Druck stehen. Von uns dagegen erwarten die Leute eher wenig. Das spielt uns natürlich in die Karten. Auf den Punkt gebracht: Wir wollen, müssen aber nicht. Das ist der kleine, aber feine Unterschied.

Haben Sie sich in der Saisonvorbereitung über die Prognosen der Experten geärgert, die Ihren Klub als Abstiegskandidaten sahen?
Nein, das Gerede hat uns weder gestört noch angestachelt - schließlich sprechen die Fakten klar gegen uns. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten hier in Paderborn sind, vorsichtig ausgedrückt, bescheiden. Mir fällt kein Bundesligaklub ein, dessen Finanzkraft mit jener des SCP vergleichbar ist. Aber trotz aller Vorurteile: Zum Glück ist noch immer die sportliche Leistung entscheidend, nicht das Geld. Zurzeit bewegen wir uns sportlich auf Augenhöhe mit unseren Gegnern. Und solange solche Geschichten im Fußballgeschäft noch möglich sind, behält der Sport seinen Reiz. 

Was macht Ihr Klub besser als Eintracht Braunschweig, der große Außenseiter der vergangenen Bundesligasaison?
Wir haben von Anfang an gesagt, wir wollen auch in der Bundesliga unseren Stil durchziehen. Keine Angst, keine Mauertaktik, sondern mutiger Offensivfußball. Es ist kein Geheimnis, dass sowohl Braunschweig als auch Fürth vorne oft die Durchschlagskraft gefehlt hat. Beide taten sich in der Bundesliga unheimlich schwer damit, Tore zu erzielen. Das wollen wir besser machen.

Ihr Trainer André Breitenreiter wurde vor der Saison mit namhaften Bundesligaklubs in Verbindung gebracht – waren Sie sicher, dass er bleibt?
Davon sind wir alle ausgegangen. Zwar hat er oft betont, er sei kein Wappenküsser, doch wir alle wissen, dass ihm der SC Paderborn am Herzen liegt. Für uns Spieler waren die Aussagen daher kein Drama. Nach dem Aufstieg hat er bessere Rahmenbedingungen gefordert. Mehr war da nicht.

Was zeichnet Ihren Trainer aus?
Er steht für offensiven, attraktiven und temporeichen Fußball. Zudem besitzt er eine sehr, sehr gute Menschenkenntnis, eine hohe soziale Kompetenz, wie es so schön heißt. Er hat einfach einen guten Draht zu uns Spielern, findet stets den richtigen Ton. Obwohl er enorm viel fordert, kann er auch mal umschwenken und lockere Sprüche raushauen. Zudem sind die Trainingsinhalte richtig stark.