Interview mit Unions Ex-Manager Christian Beeck

»Union ist ein Klub wie jeder andere«

Christian Beeck war sechs Jahre Manager von Union Berlin. Hier spricht er über den neuen, umstrittenen Hauptsponsor, die Haltung des Aufsteigers und die Chancen auf den Klassenverbleib.

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Herr Beeck, wie hat sich der 1. FC Union verändert, seit Sie ihn 2011 verlassen haben?
Das Grundelement Fußball wird nach wie vor gespielt. Und auch die Grund-DNA ist geblieben: Man muss jeden Tag 24 Stunden für den 1. FC Union leben. Das ist nicht anders als bei anderen Traditionsvereinen wie Schalke und Dortmund oder Aue und Dresden. Im Sponsoring- und Marketingbereich hat sich natürlich so einiges verändert.

Weil mehr Geld im Spiel ist?
Ich weiß noch, dass wir 2005/06 für die Einladungen zur Mitgliederversammlung Geld für die Briefmarken suchen mussten, weil die Kasse leer war. Präsident Dirk Zingler ist eingesprungen. Wie so oft in der damaligen Zeit. Inzwischen sind ganz andere Summen im Umlauf. Union hat sich etwas aufgebaut, das Respekt verdient. Es war zwar nicht billig, aber sie haben es gepackt.

Und jetzt kommt auch noch eine Immobilienfirma als Hauptsponsor dazu.
Das ist ein Problem für einen Verein, der sich eigentlich gegen Kommerz ausspricht. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich mag meine Unioner und liebe den Verein, ich bin da fußballerisch groß geworden. Ich finde es allerdings sehr schade, dass Union seit Jahren so tut, als wäre man weniger kommerziell als die anderen. Dass man zur eigenen Kommerzstory nicht steht, kann ich nicht verstehen.

Union ist also ein Klub wie jeder andere?
Natürlich, er ist Bestandteil des Fußballzirkusses und damit genauso kommerziell wie alle anderen. Ansonsten würde das Fußballgeschäft gar nicht funktionieren. Zumal der Verein ja schon ein paar merkwürdige Möglichkeiten diesbezüglich hinter sich hat.

Was genau meinen Sie?
Aktien zur Finanzierung eines Stadionbaus zu nutzen, ist kommerziell gesehen perfekt. Passt aber nicht zu Union. Auch wenn man als Mitglied anschließend zum Stadion gehört. Am Ende ist es eine schwere kommerzielle Form des Finanzmarktes. Und das bei Union, bei einem Verein, der angeblich nicht kommerziell ist. Jetzt eine Immobilienfirma als Hauptsponsor, gerade in Berlin mit einem großen Wohnmietproblem. Da sieht auch der letzte Fan, dass Union ein Klub ist wie jeder andere. Aber Geld regiert die Welt im Fußball, es geht nicht anders.

Wirklich nicht?
Offenbar nicht. Sonst hätte Union den Sponsor ja nicht genommen, die Diskussionen, die jetzt aufkommen, hätte man sich bestimmt lieber erspart.