Interview: Kai Havertz

»Bei McDonald's bezahlen die anderen«

Dann verraten Sie uns Ihre Stärken und Ihre Handicaps auf dem Fußballplatz. 


Ich habe eine gute Spielübersicht und Technik. Zu den Schwächen: Ich will an meinem rechten Fuß arbeiten und an meiner Aggressivität. Im Defensivverhalten bin ich manchmal noch nicht diszipliniert genug, wenn die Beine schwer werden. 

Sie gelten als große Nachwuchshoffnung, ähnlich wie Ihre Alterskollegen Arne Maier und Gian-Luca Itter. Wie kommen Sie miteinander zurecht? 


Wir kennen uns aus den Jugendmannschaften und sind eng miteinander befreundet. Bei der U17-EM in Aserbaidschan vor zwei Jahren sind wir nach den Spielen ins Meer gesprungen oder in die Stadt gegangen. Wir haben seither viel Zeit miteinander verbracht und sind im vergangenen Jahr sogar zusammen in den Urlaub gefahren. Wir halten während der Saison über WhatsApp Kontakt, vor kurzem hat mich Arne in Köln besucht. 

Haben Sie auch Freunde außerhalb des Fußballs?


Früher war mein Freundeskreis in Aachen größer, heute habe ich außerhalb des Fußballs eigentlich nur noch zwei echte Freunde. Der Kreis sollte auch nicht zu groß sein. Ich merke nämlich schon, dass sich nun mehr Leute bei mir melden, mit denen ich früher nicht viel zu tun hatte. Sie fragen mich dann nach Trikots oder Eintrittskarten. Ihnen geht es dann mehr um den Profi-Fußballer Kai Havertz als um den Menschen. Da muss ich aufpassen, nicht ausgenutzt zu werden. 

Muss in einem Freundeskreis von 19-Jährigen der Fußballprofi immer bezahlen?


(lacht.) Nein, das lasse ich nicht so mit mir machen. Bei meinen langjährigen Freunden bin ich natürlich spendabel. Aber generell haben wir es so geregelt, dass jeder so viel bezahlt, wie es eben für ihn passt. Das heißt, dass ich die Rechnung übernehme, wenn wir zusammen in einem guten Restaurant essen gehen. Bei McDonald’s bezahlen die anderen dann. 

Trotz Ihnen und Maier scheiterte die deutsche U19 an der EM-Qualifikation. Auch andere U-Mannschaften stagnieren. Hat der deutsche Nachwuchsfußball ein Problem?


Andere Länder wie Frankreich oder England sind in der Jugendarbeit weiter, gerade beim Thema Athletik. Viele Spieler aus diesen Ländern waren in der U17 schon richtige Büffel und ganz andere Kaliber; sie waren größer, schwerer und athletischer als wir. Der deutsche Fußball hat immer noch einen sehr guten Ruf, wenn man sich all die Talente anschaut, aber klar: Andere Länder schlafen nicht. 

Haben Sie einen Zukunftsplan, vielleicht auch in puncto A-Nationalelf? 


Das kann man schwer vorhersagen. Ich möchte vielmehr alles für Bayer geben. Wir haben ehrgeizige Ziele. Und in Bezug auf die Nationalmannschaft: Ich möchte in zwei Jahren bei der EM dabei sein, da bin ich 21 und in einem guten Alter. Ich muss noch viel dafür arbeiten, aber es ist nicht unmöglich.