Interview: Fanprojekte im Visier der Behörden

»Torpediert die Bemühungen von DFB und DFL«

Und weshalb ist die sozialpädagogische Fanarbeit wichtig?
Die Jugendphase ist eine Phase, wo ein junger Mensch vor vielen Herausforderungen steht. Da ist es gut, wenn Sozialarbeiter Verständnis für die Jugendlichen haben und als zuverlässige und vertrauensvolle Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Und das ist bei den Fanszenen, die schließlich eine der größten Jugendkulturen in Deutschland bilden, sicherlich sinnvoll. 

Auch in Dresden wurde diese Woche das Fanprojekt durch Polizeibeamte durchsucht. Auch wenn der Hintergrund – das Auftreten der Dresdner Fans in Karlsruhe – ein anderer ist.
Dieser Vorfall ist genauso empörend. Sie sind in ihrer Rücksichtslosigkeit gegenüber der Arbeit der Jugendeinrichtung Fanprojekt absolut vergleichbar. Aus unserer Perspektive ist es jedoch generell besorgniserregend, wie die Polizei in den letzten Wochen gegenüber Fans vorgeht.

Zum Beispiel?
Wir haben jetzt eine Reihe von Vorfällen gehabt, wo hunderte von Fans durch massivste polizeiliche Maßnahmen am Besuch von Auswärtsspielen gehindert wurden. Beim Nordderby wurden Fans von Werder Bremen sogar mit gezogenen Schusswaffen konfrontiert.

Und warum?
Was ihnen vorgeworfen wurde ist, dass sie nicht den Anfahrtsweg genommen haben, den die Polizei empfohlen hat. Auch beim Spiel von Dynamo Dresden in Freiburg wurden kürzlich Hunderte Fans bereits im Vorfeld abgefangen. Ebenso beim Derby zwischen Dortmund und Schalke. Durch diese Maßnahmen findet eine Kriminalisierung einer jugendlichen Subkultur statt, die meines Erachtens in keinem Verhältnis zu den Problemlagen steht, die es im Fußball sicher gibt.

Was sind das für Problemlagen?
Wir haben eine Entwicklung, dass in Teilen der Ultra-Szenen die Bereitschaft, Gewalt auszuüben und Gewalt zu suchen, zunimmt. Aber man wird dem nicht gerecht werden, indem man alle Ultras über einen Kamm schert.

Der DFB verkündete erst kürzlich, vorerst auf sogenannte Kollektivstrafen zu verzichten. 
Dass der Weg des Dialogs gesucht wird begrüßen wir sehr. Es kann Zufall sein, dass jetzt auf polizeilicher Ebene so vorgegangen wird, dass man bewusst in Kauf nimmt, ganz viele Unschuldige zu treffen – im Endeffekt torpediert das jedoch die Bemühungen von DFB und DFL.

Sie sehen also einen zeitlichen Zusammenhang seit dem Verzicht auf Kollektivstrafen seitens des Verbands und dem Anstieg dieser Polizeimaßnahmen?
Der zeitliche Ablauf lässt diese Vermutung zumindest naheliegen.