Interview: Fanprojekte im Visier der Behörden

»Das Verhalten der Polizei ist empörend«

Polizisten durchsuchten in den vergangenen Tagen Fanprojekte in Darmstadt und Dresden. Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte, erklärt, welchen Schaden die Polizei damit anrichtet. Und warum sozialpädagogische Arbeit so wichtig ist. 

imago

Herr Gabriel, am Sonntag kam es zu einem Polizeieinsatz im Fanprojekt Darmstadt. Zuvor sollen Darmstadt-Fans einigen Regensburgern Fanutensilien entwendet haben. Im Fanprojekt fand gerade eine Weihnachtsfeier statt, als rund 60 Polizisten das Gebäude umstellten und durchsuchten. Wie beurteilen Sie das?
Das bedrückende an dem Vorfall ist, dass das Fanprojekt Darmstadt schon seit 15 Jahren existiert und arbeitet. Und zwar im Netzwerk von Verein, Jugendpolitik und auch der Polizei. Das Fanprojekt ist ein Ort, der für die Jugendlichen eine gewisse Sicherheit darstellt. Wenn dann die vorwiegend jungen Besucher mit einem derart massiven Polizeieinsatz konfrontiert werden und erkennungsdienstlich behandelt werden, gibt das großen Anlass zur Sorge. 

Welche Folgen kann so ein Polizeieinsatz haben?
Zum einen kann es ganz unmittelbare Folgen auf die jungen Menschen haben. Mit welchem Blick auf die Polizei wachsen sie auf? Das Verhältnis zwischen Fanszenen und Polizei ist sowieso angespannt. Zum anderen beruht die Wirksamkeit eines Fanprojekts darauf, dass es Vertrauen in diese Institution gibt. Dieses Vertrauen wird nun einer schweren Belastung ausgesetzt. 

Warum?
Weil in dem Polizeieinsatz auch die Botschaft transportiert wird: Dem Fanprojekt trauen wir zu, dass es irgendwas mit kriminellen Aktivitäten zu tun hat. 

Wie hätte die Polizei Ihrer Meinung nach denn handeln müssen?
Natürlich muss die Polizei diesem Raub nachgehen. Aber hier ist dringend die Frage nach der Verhältnismäßigkeit zu stellen. Die Polizei hat doch die Kontakte zu den Mitarbeiterinnen des Fanprojekts. Es hätte unbedingt anders vorgegangen werden müssen.

In Deutschland gibt es in 58 Städten Fanprojekte. Wie können wir uns diese Einrichtungen vorstellen?
Fanprojekte sind Einrichtungen der jeweils örtlichen Jugendhilfe. Ein Mix aus einem Jugendzentrum und Streetwork. Die Kolleginnen und Kollegen – Pädagoginnen und Sozialarbeiter - bewegen sich in der jugendlichen Subkultur der Fußball-Fanszenen und versuchen dort belastbare Beziehungen aufzubauen.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!