Interview: Der 90-Jährige Schalker Allesfahrer

Im Namen von Karl-Heinz Feldkamp

Erzählen Sie.
Wir spielten gegen Galatasaray, und am Istanbuler Flughafen kontrollierte mich ein türkischer Beamter. Als er Karl-Heinz in meinem Ausweis las, fing er an von Karl-Heinz Feldkamp zu erzählen, der ja mal Trainer von Besiktas, seinem Lieblingsverein, war. Obwohl alle in der Schlange maulten, weil es nicht weiter ging, haben wir uns minutenlang über Fußball unterhalten und er sagte mir, dass wir Galatasaray raushauen sollen, weil er die nicht mag. Vier Tage später standen wir vor dem Rückflug wieder in der Schlange, als jemand laut meinen Namen rief. Es war wieder dieser Beamte, der mich umarmte und mich ohne Kontrolle durchmarschieren ließ. Sogar meinen Koffer hat er getragen. Das passiert dir nur, wenn du Fußballfan bist.

Haben Sie auch schon mal unangenehme Erfahrungen in Europa gemacht?
Wenn man sich angenehm benimmt, dann macht man auch selten unangenehmen Erfahrungen. Okay, Valencia war schäbig. Da haben ein paar Schalker vor dem Spiel Theater gemacht und die Polizei war ziemlich aufgeheizt. Die sind vor dem Stadion mit den Pferden in die Menschenmenge geritten und ich konnte mich gerade noch in Sicherheit bringen. Ansonsten ist es immer schwierig, eine nette Unterkunft zu finden. Wo du auch hinfährst: Wenn Schalke spielt, dann ist immer alles ausgebucht und man muss schon mal in eine Absteige, wo man Mäuseköttel im Bett vorfindet. Aber für jemanden, der in Gefangenschaft fünf Jahre lang mit 40 Personen in einer Baracke auf dem Boden gepennt hat, ist das jetzt auch kein Weltuntergang.

Wie lange wollen Sie Ihre Auswärtsfahrten noch durchziehen?
Das hängt ja in erster Linie von der Schalker Mannschaft ab. Wenn die nicht verkackt und sich weiter qualifiziert, dann fahre ich so lange, bis ich in die Kiste gehe. Meine Frau ist 2015 gestorben, als ich mit Schalke den 4-3 Sieg bei Real Madrid gesehen habe. Sie lag im Krankenhaus und eigentlich wollte ich gar nicht fahren, aber die Ärztin meinte, ich soll mir keine Sorgen machen. Es war nichts Dramatisches, und dass sie stirbt, war nicht vorauszusehen. Wir fahren immer mit einem Trupp von 20 Mann, der größtenteils aus Verwandtschaft besteht. Alle haben gewusst, dass meine Frau bereits am Montag verstorben ist, aber alle haben dichtgehalten, weil sie mir das Spiel und die Fahrt nicht verderben wollten. Auf mich wartet also heute zu Hause niemand mehr, der sich sorgt, wenn ich mit Schalke unterwegs bin.