Ibrahima Traoré über Sartre, Rap und die Champions League

»Ich bin kein Robben!«

Ibrahima Traoré ist der Spaßvogel im Team von Borussia Mönchengladbach. Der 27-Jährige kann aber auch anders. Ein Interview über Philosophie, Rassismus und Fußballergehälter.

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Ibrahima Traoré, finden Sie, man spricht zu selten mit Fußballern über andere Dinge, als über Fußball?
Ja, das ist tatsächlich so. In erster Linie geht es um Fußball, dann geht es um Fußball und zuletzt geht es um Fußball (lacht). Die Leute müssen tatsächlich denken, unser Leben dreht sich ausschließlich um Fußball.

Wollen wir über Fußball sprechen oder über andere Dinge, die Sie interessieren?
Wir können auch gerne mal über etwas anderes sprechen. Ich denke, jeder Profi hat auch eine andere Seite, andere Hobbys.

Vielleicht das noch: Ist die Fußballwelt eventuell zu oberflächlich?
Weiß ich nicht. Die Fans wollen wissen, wie es uns als Fußballer geht. So kennen sie uns. Was nach dem Spiel oder dem Training passiert, ist wahrscheinlich einfach nicht interessant genug. Letztlich sind wir ja nur ganz normale Menschen, die ganz normale Dinge tun. Fußball-Profi zu sein ist auch nur ein Beruf.

Wovon aber jedes Kind auf der Welt träumt...
Klar, unser Beruf ist auch unsere Leidenschaft. Das ist sehr wichtig. Es gibt nicht nur Fußball im Leben, auch wenn das ab und zu so den Eindruck erweckt. Ich persönlich beschäftige mich kaum noch mit Fußball, wenn ich nach Hause komme.

Warum?
Als ich noch jünger war, hat es mich zermürbt, wenn ich mal ein schlechtes Spiel gemacht habe. Ich konnte nächtelang nicht schlafen. Das ist jetzt nicht mehr so. Wenn ich ein schlechtes Spiel gemacht habe, kann ich es am nächsten Wochenende wieder gut machen.

Ist das Abschalten eine Art Regeneration für den Kopf?
Als ich damals beim VfB Stuttgart um den Klassenerhalt gespielt habe, wurde mir bewusst, dass wir Profis es in der Hand haben, dass die Menschen auf der Geschäftsstelle nicht ihren Job verlieren. Das war enorm großer Druck. Wenn man damit nicht umgehen kann und diese Verantwortung mit sich rumschleppt, kann man keine gute Leistung bringen.

Nicht wenige Spieler arbeiten deshalb mit einem Mentalcoach oder einem Psychologen zusammen.
Das muss jeder für sich entscheiden. Ich habe meine Familie und Freunde um mich herum. Wir reden über alles, lachen sehr viel und versuchen die Sache nicht so dramatisch anzugehen. Man muss einfach locker sein.

Sie betonen immer wieder, dass bei Ihnen zu Hause viel los sein muss, um sich wohl zu fühlen.
So bin ich aufgewachsen. Wir waren mit meinem Bruder, Cousins und Cousinen immer mindestens zu zehnt oder zwölft zuhause. Ich bin es nicht gewohnt, alleine zu sein und kenne das nicht anders. Das gibt mir Kraft. Natürlich habe ich auch zwischendurch meine Ruhe.

Playstation zocken ist eigentlich geselliger als lesen – aber lesen Sie immer noch so viel?
Playstation spiele ich seit zwei, drei Jahren nicht mehr, ich habe nicht einmal die neue zuhause. Das nimmt mir einfach viel zu viel Zeit in Anspruch. Ich habe jetzt wieder angefangen zu lesen, das macht mir mindestens genauso viel Spaß.

Was lesen Sie gerade?
Ich lese das Buch des französischen Rappers Abd al-Malik. Er hat Philosophie studiert, und er schreibt über die Toleranz dem Islam gegenüber. Er ist Muslim, und er vergleicht, wie es früher als Muslim in Frankreich war mit der Gegenwart.

Toleranz ist ein wichtiges Thema auch in Deutschland. Hierzulande wird zum Beispiel viel über Alltags-Rassismus diskutiert. Haben Sie damit Erfahrungen machen müssen seit Sie in Deutschland sind?
Nein, ich kann mich an nichts Konkretes erinnern. Vielleicht das: Letztens saß ich mit meiner Freundin im Flugzeug und wurde angesprochen. Auf Englisch. Ich habe auf Deutsch geantwortet. Mehrfach. Kurioserweise saß in unserer Reihe ein Weißer, der kein Wort Deutsch sprach, aber auf Deutsch angesprochen wurde (lacht). Das passiert vielleicht unbewusst und ist nicht unbedingt rassistisch. In Frankreich denkt man, Deutschland ist in diesem Punkt sehr schwierig, dabei hat man dort genug eigene Probleme mit diesem Thema.