Heute vor 35 Jahren: Warum starb Lutz Eigendorf?

»Eigendorf wurde nie obduziert«

Warum?
Das bezweifle ich nach den Aussagen von Eigendorfs Witwe. Sie sagte, dass sie einen Klaus Schlosser überhaupt nicht kenne. Das widerspricht der Aussage, dass dieser laut der Stasi-Akten bei Eigendorf ein- und ausgegangen sei. Ich schätze, dass der »IM Klaus Schlosser« das MfS als Geldquelle genutzt hat und denen irgendwas erzählt hat.

War die »Liquidation« Eigendorfs von Anfang an beschlossene Sache?
Zunächst hat man versucht, ihn zurück in die DDR zu holen. Eigendorf hatte in Ostberlin ja noch eine Frau und ein Kind. Die Stasi hat großen Druck auf seine Frau ausgeübt. Sie sollte ihn überreden, zurückzukommen. Ihm wurde Amnestie versprochen, wenn er zurück käme. Sie drohten, das Kind wegzunehmen. Sogar ein »Romeo« wurde auf seine Ex-Frau angesetzt, der in Diensten der Stasi Informationen über Eigendorf herauskitzeln sollte.

Änderte die Stasi den Kurs, nachdem aus Eigendorf ein erfolgreicher Bundesliga-Spieler wurde?
Es gab viele »Maßnahmepläne« und ständig neue Überlegungen, wie mit ihm umzugehen sei. Kurz vor seiner Ermordung wollte man ihn zu Nervosität und Fehlern zwingen. Man versuchte auch, ihn öffentlich in ein schlechtes Licht zu rücken. Beispielsweise hatte man auch überlegt, den Anschein zu erwecken, dass er seiner Frau untreu sei.

Wusste man im Westen nicht, dass Eigendorf mit Argusaugen beobachtet wurde? Warum stellte man so wenig Fragen nach seinem Tod?
Die Brisanz des Falles Eigendorf wurde verkannt. Die politische Ebene, die sich hinter Eigendorfs DDR-Flucht verbarg, wurde bei Ermittlungen vollkommen ignoriert. Man konnte sich nicht vorstellen, dass der Geheimdienst der DDR auf bundesdeutschem Boden zu so etwas in der Lage war. Ein großes Versäumnis der Ermittler.

Dennoch wurde der Fall mehrfach neu aufgerollt.
Die Hinweise dafür kamen jedoch immer von außen. Die Justiz war mit dem Fall überfordert und wollte ihn möglichst schnell vom Tisch haben. Die Causa Lutz Eigendorf ist einfach sehr vielschichtig, allein die Komplexität der Stasi-Strukturen ist ein großes Hindernis bei Ermittlungen. Die Mitarbeiter des MfS haben nur die Infos für den Job bekommen, die sie wissen mussten. Die Einzigen, die eine Draufsicht hatten, waren die Abteilungsleiter.

Im Fall von Eigendorf war das Heinz Hess, der inzwischen verstorben ist.
Hess wurde nach der Wiedervereinigung zwar zweimal als Beschuldigter im Fall »Mord zum Nachteil Eigendorfs« von der Polizei vorgeladen, erschien aber einfach nicht zur Vernehmung. Damit hat man sich zufrieden gegeben! In den Polizeiakten ist vermerkt: »Der Beschuldigte ist nicht erschienen und hat sich daher nicht auf den Tatvorwurf eingelassen.«

Warum wurde nicht nachgehakt?
Genau das kann man den Ermittlungsbehörden vorwerfen. Außerdem wurde Eigendorf niemals obduziert. Später, als Hinweise darauf hindeuteten, dass der Unfall ein Mord sein könnte, hätte man seinen Leichnam auch noch exhumieren können für eine kriminologische Untersuchung. Aber jetzt ist es zu spät für derartige Schritte.