Hatten Sie eigentlich Angst vor der Eta, Jupp Heynckes?

»Du darfst dich nie politisch äußern. Nie.«

Morgen trifft Hertha in der Europa League auf Athletic Bilbao. Also auf den Klub, für den Jupp Heynckes insgesamt vier Jahre als Trainer arbeitete. Der Erfolgscoach über die romantischen Seiten des baskischen Vereins und Mord in der Teifgarage. 

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Jupp Heynckes, ist Athletic Bilbao mehr als ein Klub?
Wenn der FC Barcelona das für sich in Anspruch nimmt, dann gilt das für Athletic Bilbao umso mehr. Athletic ist der einzige Klub der Welt, der seine Spieler nur aus der Region rekrutiert und bei dem praktisch nur Basken spielen dürfen. Das ist ein eisernes Gesetz, seit Menschengedenken. Das macht Athtletic so besonders. Weil auch die ganze Philosophie des Klubs darauf ausgerichtet ist. Die Nachwuchsarbeit ist schon zu meiner Zeit sehr intensiv betrieben worden, sehr innovativ und sehr inhaltsvoll. Jede Mannschaft hatte einen Arzt, mehrere Physiotherapeuten, Psychologen und was weiß ich alles. Das ergibt sich natürlich alles aus der Notwendigkeit, eigene Talente zu fördern, zu entwickeln und irgendwann in die erste Mannschaft einzubauen.

Sie haben vor einem Jahr in einem Interview gesagt: »Der Fußball hat seine Seele verloren«. Findet man die in Bilbao noch?
Ich bin 1992 eigentlich nach Spanien gegangen, ohne ein Wort Spanisch zu sprechen. Aber der Verein hat es mir unheimlich leicht gemacht, vor allem die Spieler. Deswegen habe ich so gute Erinnerung an die Jahre in Bilbao. Die Basken sind auch ein Menschenschlag, der ein bisschen vergleichbar mit dem unsrigen ist. Sehr zuverlässig, loyal, korrekt. Das sind Menschen, zu denen man Vertrauen haben kann. Das ist immer haften geblieben. Und im Fußballgeschäft ist das inzwischen etwas Besonderes. Wissen Sie, was mir an Athletic und den Menschen im Baskenland immer imponiert hat?

Nein.
Das gesprochene Wort gilt, auf einen Handschlag kannst du dich hundertprozentig verlassen. Vor meinem Wechsel hatte ich mit Athletics Manager alles bei mir zu Hause besprochen. Aber als ich angefangen habe, hatte ich immer noch keinen Vertrag unterschrieben. Nach acht Wochen Vorbereitung habe ich den Vertrag vorgelegt bekommen, weil wir ihn am nächsten Tag zum spanischen Verband schicken mussten. Es stand alles genauso drin, wie wir es zwei Monate zuvor besprochen hatten.

Athletic hat nach zwei Jahren wieder einen Spieler verpflichtet. Angesichts des Transferwahnsinns in diesem Sommer kann man sich das gar nicht vorstellen.
(Lacht) Ja, die brauchen sich nicht so viele Gedanken zu machen, was der internationale Transfermarkt hergibt. Bei Athletic ist es berechenbar. Aber es gibt eben auch bei Real Sociedad, bei Osasuna oder in den höheren Amateurklassen den einen oder anderen baskischen Spieler, der für Athletic in Frage kommt. Da schaut man natürlich drauf. Das große Problem ist, dass die Zuschauer trotzdem sehr anspruchsvoll sind. Und bei allem Enthusiasmus und Fanatismus in der Unterstützung für den Klub hegen sie natürlich auch den Traum, mal wieder einen Titel zu gewinnen, im Europacup, im Pokal oder auch in der Meisterschaft. Aber das ist unmöglich, jetzt noch mehr als zu meiner Zeit, wenn man sieht, was gerade auf dem Transfermarkt abläuft.

Ist Bilbao die gelobte Stadt für Fußballromantiker?
Fußballromantik gibt es fast nirgendwo mehr. Nur eins ist klar: Die Spieler bei Athletic ticken anders. Wenn mal jemand aus San Sebastian oder Pamplona verpflichtet wurde, haben sich die Spieler um ihn gekümmert, um die Wohnungssuche, Möbelkauf, Behördengänge. Nicht der Verein. Die ganze Atmosphäre ist besonders. Unsere Hotels waren oft sehr einfach und spartanisch. Aber gerade da hat man gespürt, dass die Spieler sich verstehen, zusammenhalten und sich unterstützen. Das habe ich so bei keiner anderen Mannschaft erlebt, die ich trainiert habe. Das können sie gern Fußballromantik nennen.

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