Hansa-Fan in Amerika

Profisport mal anders

Mal streng pädagogisch: Was bringt das Ihren Schülern? 
Sie sollen wissen, dass Deutschland nicht nur aus Bayern besteht, dass da noch mehr ist, was womöglich viel spannender ist. Deshalb unterrichte ich etwa die Geschichte der deutschen Teilung. Und zwar aus der Perspektive der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern. Und anhand des Fußballs zeige ich den Schülern, dass der Profisport in Deutschland anders funktioniert. Die meisten meiner Schüler lieben Basketball, die NBA. Da gibt es ein festes Ligasystem, keine Auf- und Abstiege. Das Gefühl „Wir sind abgestiegen“ ist den Schülern völlig fremd. Als Hansa-Fan kennt man das ja recht gut. 

Wie verfolgen Sie denn die Hansa-Spiele, es ist ja immerhin neun Stunden früher bei Ihnen? 
Ich stehe jeden Samstag frühmorgens auf und sehe mir einen Livestream an. Da kommt bloß leider nicht jedes Spiel, dann muss ich auf das Fan-Radio oder den Ticker ausweichen.

Halten Ihre Mitmenschen Sie manchmal für verrückt? 
Nein, die verstehen das sogar sehr gut. Viele meiner Freunde sind Football-Fans. Die fahren am Wochenende zweieinhalb Stunden nach Seattle, um die Seahawks zu sehen, und zurück. Und dann verstehen sie natürlich auch, dass ich mich frühmorgens für Fußball aus dem Bett quäle.

Für einen deutschen Drittligisten ...
Natürlich würde ich mir lieber Hansa gegen die Bayern ansehen, um darüber mit meinen Schülern zu sprechen. Ich habe auch schon überlegt, ob ich für meinen Unterricht einen anderen Verein nehmen sollte. Aber manche meiner Schüler haben bei mir fünf Jahre lang Deutsch mit Hansa Rostock gelernt. Die sind mittlerweile Fans.