Guido Buchwald über Stuttgarts Abstiegskampf und Spielerfrust

»Man hätte sich früher von Zorniger trennen müssen«

Vor der Saison träumten die Fans von Europa, nun steckt der VfB Stuttgart zum dritten Mal in Folge im Abstiegskampf. Was fehlt den Schwaben zu einer Spitzenmannschaft?

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Guido Buchwald, im Herbst verlor der VfB 0:4 gegen den FC Augsburg. Es war der Tiefpunkt einer desaströsen Hinrunde und das Ende von Alexander Zorniger als VfB-Trainer. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Es war einfach deprimierend. Wie die Mannschaft gespielt hat oder besser gesagt, wie sie spielen sollte. Man hat gesehen, dass da die Balance gefehlt hat. Aus meiner Sicht hätte man sich schon ein bisschen früher vom Trainer trennen können. Mannschaft und Trainer haben einfach nicht entsprechend harmoniert. Alexander Zorniger hat gesagt, sein System sei alternativlos, aber im Fußball ist nichts alternativlos. Der FC Bayern wechselt sein System, alle Trainer stellen sich auch auf das Spiel des Gegners ein. Unter Jürgen Kramny hat das Team dann auch gezeigt, was es zu leisten in der Lage ist, wenn eine gewisse Grundordnung eingehalten wird.

Mit dem neuen Trainer kam tatsächlich der Aufschwung. Dennoch hat sich der VfB nicht aller Abstiegssorgen entledigt.
Das Spiel gegen den FC Augsburg ist enorm wichtig. Mit einem Punkt aus Augsburg würden wir den Abstand halten – damit könnte ich leben. Für den FC Augsburg wäre ein Unentschieden eigentlich zu wenig.

Mit einem Sieg in Augsburg...
...wäre der VfB wohl endgültig gesichert. 36 Punkte, das würde höchstwahrscheinlich reichen. Die Mannschaften hinter uns spielen ja noch gegeneinander und nehmen sich gegenseitig Punkte ab.

Wir reden jetzt von Abstiegssorgen. Vor der Saison hatten nicht wenige Experten den VfB als eine Art Geheimtipp auf dem Zettel. Zu Recht?
Es war ja auch so, dass die Mannschaft unter Huub Stevens in den letzten Spielen der vergangenen Saison unwahrscheinlich stark gespielt hat und auch mental überzeugte. Sie musste die letzten drei Spiele gewinnen und hat das geschafft. Die Balance zwischen Offensivspiel und Defensivarbeit passte am Ende der vergangenen Saison. Im Sommer kam noch die eine oder andere Verstärkung. Da darf man schon mit einem Platz zwischen acht und zwölf rechnen. Im Verein und im Umfeld war eine echte Euphorie zu spüren. Aber dann kam ja alles ganz anders.

Eine Augsburger Fangruppe hat einen schönen Flyer für das VfB-Spiel kreiert. Er zeigt eine Ahnengalerie mit sechs traurig dreinblickende VfB-Trainern in der Zeit von 2012 bis heute – und darunter einen lachenden Markus Weinzierl, dem einzigen Trainer beim FCA während dieser Zeit. Ist die fehlende Konstanz auf dem Trainerstuhl eine Erklärung dafür, dass der VfB das dritte Mal in Folge im Abstiegskampf steckt?
Es ist nie ein gutes Zeichen, wenn der Trainer oft gewechselt wird. Im Laufe der vergangenen Jahre sind beim VfB einige Dinge nicht optimal gelaufen. Es fand kaum ein Aufbau einer wirklichen Mannschaft statt. Das ist natürlich bei einem Verein wie dem FC Augsburg auch einfacher als beim VfB. Wenn der VfB 17. oder 18. ist, sorgt das in ganz Baden-Württemberg für ein Erdbeben, in Augsburg herrscht in so einer Situation weitgehend Ruhe. Unter diesem Druck wurden beim VfB in den vergangenen Jahren einige Entscheidungen getroffen, die noch nachwirken. Gute Spieler wie Mario Gomez, Sami Khedira oder Serdar Tasci, aber auch ein Andreas Beck oder Sebastian Rudy wurden abgegeben, konnten aber nicht adäquat ersetzt werden.


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Bei Neuverpflichtungen ist immer auch etwas Glück im Spiel.
Natürlich. Aber wenn ein Verein eine klare Philosophie hat und die auch konsequent verfolgt, kann man es besser machen. Meiner Meinung nach ließ man sich teilweise zu sehr von den Trainern beeinflussen. Und auch aus dem Jugendbereich kam in den letzten Jahren zu wenig. Das muss sich wieder ändern und daran wird gearbeitet.