Gladbachs Yann Sommer über Kochen und Musik

»Manche sagen: ›Du spinnst!‹«

Er nimmt Gesangsunterricht, spielt Gitarre und postet Rezepte in seinem Blog. Wie ernährt sich ein etwas anderer Profi, Yann Sommer?

http://sommerkocht.ch

Yann Sommer, wer auf Ihren Foodblog geht, schaut Ihnen am Gemüsestand auf dem Düsseldorfer Carlsplatz über die Schulter. Der Markt, auf dem Sie gerne einkaufen, öffnet ganz früh. Da könnten Sie morgens schon vorbeischauen, bevor Sie sich auf den Weg zum Borussia-Park machen.
Das stimmt. Aber ich stehe um sieben Uhr auf, mache mir Frühstück und fahre zum Training. Bis 18 Uhr etwa sind wir hier, dann hat der Markt schon zu, dafür gibt es genügend andere Möglichkeiten, um spät noch einzukaufen. 

Wie sieht an einem gewöhnlichen Trainingstag mit einer Einheit am Vormittag und einer am Nachmittag Ihre Ernährung aus?
Relativ unspektakulär. Das Frühstück zu Hause mache ich selber, nach dem Training essen wir in der Kabine. Die Sportsbar hier im Borussia-Park bereitet das zu. Da sind meistens Süßkartoffeln bei, Chicken, ein bisschen Fisch, Pasta, Ernährung halt, wie man das im Fußball kennt. Abends koche ich mir etwas oder gehe mit ein paar Freunden ganz relaxt essen.

Ihr alter Kollege Christoph Kramer hat in einem Interview mal verschämt seinen Kühlschrank gezeigt. Außer einer Fassbrause war da nichts von ihm drin. Wie sieht es bei Ihnen aus?
Im Moment auch nicht sehr spektakulär, aber sonst sind da schon ein paar Sachen drin, die man essen kann. Früchte habe ich immer da, Joghurt, Gemüse.

Kramer hat erzählt, dass er fast immer essen geht. Als Fußballprofi ist die Versuchung sicherlich groß. Wie oft in der Woche gehen Sie ins Restaurant?
Das ist sehr unterschiedlich. In manchen Wochen gehe ich sehr oft auswärts essen. Aber du hast tagsüber als Fußballer immer Leute um dich herum, immer spricht irgendjemand in deiner Nähe. Ich bin deshalb sehr gerne auch mal alleine zu Hause und koche mir in Ruhe etwas.

Für die Rezepte, die Sie bislang auf Ihrem Blog gepostet haben, benötigt man Zutaten wie Büffelmozzarella oder Riesengarnelen – also hochwertige, die sich nicht jeder regelmäßig leisten kann. Inwiefern ist Ernährung für Sie Luxus oder gar ein Statussymbol?
Kein Statussymbol, aber schon Luxus. Ich sehe es als Luxus an, wenn man frisch einkaufen kann – frischen Fisch, frisches Fleisch. Dafür gebe ich auch gerne etwas mehr Geld aus, weil es mir wichtig ist, zu wissen, wo die Lebensmittel herkommen und dass sie frisch sind. Aber ich gehe jetzt auch nicht jeden Tag Entrecôte oder Filet kaufen.

Sind Sie beim Einkaufen auf dem Markt so entschlossen wie beim Herauslaufen aus dem Tor?
Der Markt ist auch dafür da, sich inspirieren zu lassen. Zu einem bestimmten Stand gehe ich fast immer, die haben viele verschiedene Früchte, Gemüsesorten und Gewürze. Manchmal laufe ich auch herum und probiere Sachen. Mit der Zeit kennt man die Leute da. Die sagen ab und zu: »Hey, probier' doch mal das Gewürz hier.«

Was war Ihre letzte Entdeckung auf dem Markt?
Frische Datteln. Wenn man die im Laden kauft, sind sie in der Regel braun und getrocknet. Aber die frischen sind gelb, hart und schmecken etwas nussig. Die sind richtig, richtig gut.

Haben Sie ein Paradegericht, das Sie besonders gut kochen können?
Eigentlich nicht. Ich koche sehr frisch, probiere gerne Sachen aus. Aber es ist keine Gourmetküche, ich bin kein Sternekoch. Es soll einfach schön sein. Klar muss ich bei schwierigeren Rezepten auch mal etwas nachlesen. Ich würde dennoch bei keinem Gericht sagen: Ja, das ist mein Gericht.