Giovane Elber über seine wilden Jahre bei den Bayern

»Die Tore von Manchester habe ich überhaupt nicht mitbekommen«

1999 verpassten Sie ein anderes Großereignis ebenfalls verletzt. Das Champions-League-Finale gegen Manchester United. Wie haben Sie die Nachspielzeit erlebt?

Ich war zwar im Stadion – aber die Tore von Manchester habe ich überhaupt nicht mitbekommen.

Wie bitte?

Ich war unten in den Katakomben, zusammen mit Bixente Lizerazu, der auch verletzt war. Wir sollten uns auf den Weg zur Siegerehrung machen. Als wir von unseren Plätzen aufgestanden waren, lagen wir dank Basler 1:0 in Führung. Als wir unten am Platz ankamen, stand es plötzlich 1:2. Wir beide guckten uns an und dachten: »Das kann doch nicht wahr sein?« Nach dem Spiel bin ich auch nicht in die Kabine gegangen, sondern sofort ins Hotel. Ich wollte einfach niemanden sehen.

Bevor Sie nach München kamen, spielten Sie in ruhigeren Klubs wie dem VfB Stuttgart oder Grasshoppers Zürich. Was war ihr erster Eindruck vom Weltklub FC Bayern?
Es war alles viel, viel größer, als ich es mir vorgestellt hatte. Für die ersten Tage nach dem Umzug aus Stuttgart hatte der Verein in der Maximilianstraße ein Hotelzimmer für meine Familie und mich gemietet. Das Zimmer war größer als unser Haus in Stuttgart. Und so war es mit allen Sachen in München. 



Zum Beispiel?

Nach der Vertragsunterschrift sagte Karl-Heinz Rummenigge zu meiner Frau: »Sinja, besorgt euch ein richtig großes Haus. Dein Mann wird so oft unterwegs sein mit der Mannschaft, aber mit einem großen Haus wirst du immer was zu tun haben. Da wird dir nie langweilig.« Wir dachten: Die sind nicht ganz dicht.

Trotzdem kamen Sie auch mit den chronisch aufgeregten Medien der Stadt gut zurecht.

Außer ein einziges Mal, nach einem Spiel in La Coruna.



Was war da los?
Ich weiß gar nicht mehr, warum genau ich sauer war. Wahrscheinlich hatte einer der Reporter Quatsch geschrieben. Nach dem Spiel stellte ich mich jedenfalls vor die mitgereisten Journalisten aus Deutschland und sagte: »Interviews nur auf spanisch.« Das war ein bisschen gemein.

Ein anderes Mal gerieten Sie mit Schiedsrichter Markus Merk aneinander. Sie flogen vom Platz, weil Sie sich rotes Tape über den Mund geklebt hatten.
Moment, ich bin nicht deshalb vom Platz geflogen. Das Tape trug nur dazu bei, dass Doktor Markus Merk so richtig genervt von mir war. 



Warum haben Sie sich das Tape überhaupt auf den Mund geklebt?

Ich hatte gleich zu Beginn der Partie Gelb wegen Meckern bekommen. Danach brüllte mich Merk die komplette erste Halbzeit an: »Ruhe jetzt! Halt den Mund!« Vor der Pause sagte er: »Das nächste Mal, wenn du was zu mir sagst, fliegst du vom Platz.« Also habe ich mir den Mund zugeklebt. Noch im Kabinengang hat Merk mich mit großen Augen angeguckt und panisch dazu aufgefordert, das Ding abzumachen. Der war sauer wie ein kleines Kind. Kurz vor Schluss bin ich dann wegen einem banalen Foul mit Gelb-Rot vom Platz geflogen. Merk hatte einfach keinen Bock mehr auf mich (Lacht). Aber ich war natürlich selber Schuld.