Gianluca Vialli über die Champions League

»Es gab überhaupt keine Party«

Haben Sie den Titelgewinn dann groß gefeiert?
Nein, es gab überhaupt keine Party. Wir sind gleich am Abend in Rom ins Flugzeug gestiegen und am nächsten Tag weiter nach Vietnam geflogen.

Partyurlaub?
(lacht) Nein, überhaupt nicht, wir wollten zu Hause feiern, aber es waren leider gar keine Feierlichkeiten organisiert. Wir flogen auf Tournee, um mit Freundschaftsspielen etwas Geld zu verdienen, wir waren eine der ersten Mannschaften, die so etwas machte.

Sie sind einer der wenigen Spieler, der alle drei Europapokale gewinnen konnte. Was bedeutet Ihnen das?
Ich bin auch oft Zweiter geworden. Es war nie einfach. Beim ersten Mal bin ich immer gescheitert, beim zweiten Mal ging es gut. Aber am Ende ist es nur ein Fußballspiel.

Sie wechselten 1996 zum FC Chelsea. Juventus stand in den beiden Folgejahren wieder im Finale, konnte den Titel aber nicht mehr gewinnen, bis heute nicht. Weil Sie nicht mehr da waren?
Nein, ich glaube, es lag nicht daran, dass ich nicht mehr da war. Das Finale ist einfach schwierig und Borussia Dortmund 1997 und Real Madrid 1998 waren starke Gegner.

Gelingt es Juventus denn 2015? Werden Sie gegen Barcelona dabei sein?
Ja, ich bin als Sky-Experte in Berlin. Im Fußball kannst du immer gewinnen, du musst nur daran glauben und bis zum Schluss alles geben. Barcelona ist der Favorit, aber wenn Juve gut spielt, Barcelona schlecht und Turin etwas Glück hat, können die Italiener gewinnen.

Kann sich die heutige Mannschaft etwas abgucken vom Juve-Team 1996? Etwa, wie man einen Gegner, der ständig den Ball hält, berennt?
Nein. Ajax hatte damals weder Neymar noch Messi noch Suarez. Das war etwas weniger kompliziert.

Wie sehen Sie als frühere Angreifer die Sturmreihen? Neymar, Messi und Suarez bei Barcelona, Tevez und Morata bei Juve?
Sie sind alle stark und gehören zu den zehn besten Stürmern der Welt. Messi spielt heute wirklich wie Maradona, er ist nicht mehr nur effektiv, sondern bringt eine große Persönlichkeit und Intensität auf den Platz. Mit Suarez und Neymar bildet er ein fantastisches Trio. Ohne Eifersüchtelein arbeiten sie für die Mannschaft und bringen dadurch Balance. Dasselbe gilt für Tevez und Morata.

Sie rieten Juventus Turin bereits, vom FC Chelsea zu lernen und den Bus vor dem Tor zu parken.
Ich sagte, sie müssen gut verteidigen, das ist der Schlüssel gegen eine so starke Mannschaft. Aber Juve muss auch attackieren, damit die Spanier beginnen, an sich zu zweifeln. Dafür braucht es Verteidigung, Konter, großen Einsatz und Mut.