Germania Windeck nach dem Bayern-Spiel

»Der Achtsitzer ist schon da«

Sein breites Grinsen war das Foto der ersten DFB-Pokalrunde: Heinz-Georg Willmeroth, 1. Vorsitzender von Bayern-Gegner Germania Windeck, über Stadionmiete in Köln und einen Bayern-Altar im eigenen Büro. Germania Windeck nach dem Bayern-Spiel

Heinz-Georg Willmeroth, 41.000 Zuschauer beim DFB-Pokalspiel Germania Windeck gegen Bayern München. Sind sie jetzt der reichste Fünftligist der Welt?

Ach was. Erstens: Es waren 41.100 Zuschauer. Zweitens: Die Einnahmen aus so einem Spiel muss man erheblich nach unten korrigieren. Stadionmiete, Stadionreinigung, Ordnungsdienste, Sicherheitsdienste und, und, und.

[ad]

Sie würden also keinem Verein empfehlen wollen, gegen die Bayern zu spielen?

Wo denken sie hin, natürlich würde ich das! So ein Spiel ist für unseren kleinen Verein möglicherweise der Höhepunkt der Klub-Geschichte, das ist überragend. Sie haben doch mein breites Grinsen nach der Auslosung gesehen, war doch selbst bei ihnen groß in der Zeitung.

Jetzt mal Butter bei die Fische: Was bleibt denn nun an Geld übrig?

Da kommen sie genau richtig, ich sehe gerade die Bilanzen durch. Also, komplette Einnahmen: 800.000 Euro...

Wow!

...brutto. Übrig bleiben round about 100.000 Euro.

Wo bleibt das ganze Geld?

Ich rechne ihnen das mal vor. Stadionmiete im Rhein-Energie-Stadion: 80.000 Euro. Ticketinggebühren: 50.000 Euro. 30.000 Euro für den Verkehrsverbund Rhein-Sieg. 8.000 Euro an die GEMA. Und die genannten Kosten für Reinigung, Sicherheit... Das ist ein ziemlicher Rattenschwanz.

Es hat sich aber trotzdem gelohnt, oder?

Na sicher! Unsere Fußballabteilung hat einen Jahresetat von etwa 600.000 Euro, damit werden 14 Jugendmannschaften, die U23 und die erste Mannschaft inklusive sämtlicher Trainerstäbe bezahlt.

Was passiert mit den 100.000 Euro? Vielleicht ein schöner neuer Dienstwagen für den 1. Vorsitzenden?

So ähnlich. Ich habe schon einen neuen Achtsitzer für unsere Jugend gekauft, den kleben wir schön mit Werbung zu und vielleicht sieht sich ja dann einer unserer Sponsoren in der Pflicht einen weiteren Bus zu finanzieren. Vielleicht wird auch mein Büro größer. Den Platz werde ich brauchen.

Aha. Wofür?

Einen kleinen DFB-Pokal-Altar. Mit dem bettlakengroßen Bayern-Wimpel, Fahne, Trikot, Fotos – und natürlich dem Motivschal: »Germania Windeck vs. Bayern München«.

Ihren Verein dürfte inzwischen das halbe Land kennen. Das macht schon stolz, oder?


Aber hallo. Was dem Verkehrsbund Windecker Ländchen in 40 Jahren nicht gelungen ist, haben wir in zwei Jahren geschafft: Heute weiß jeder, wo Windeck auf der Landkarte zu finden ist.

Mussten Sie den Bayern-Bossen auf der Ehrentribüne Nachhilfe in Sachen Geografie geben?

Die waren gar nicht da, ich habe sie jedenfalls nicht gesehen. Aber dem Louis van Gaal habe ich Guten Tag gesagt. Vor dem Spiel bin ich zu ihm hin und meinte: »Darf der Vorsitzende eines Fünftligisten dem Meistertrainer einmal die Hand schütteln? Ich verspreche ihnen auch, die eine Woche lang nicht zu waschen.«

Und?

Der hat sich kaputt gelacht, ist aufgestanden und hat mich begrüßt. Ein sehr netter Kerl, auch wenn seine Töchter ihn ja angeblich siezen sollen.

Ihre Hände haben sieben Tage kein Wasser gesehen?

Sind sie wahnsinnig? Ich komm doch nicht vom Klo, ohne mir die Pfoten zu waschen.

Was haben Sie van Gaal noch gesagt?

Ich meinte: »Meistertrainer, habt ein wenig Erbarmen mit uns. Können wir uns nicht auf ein Ergebnis einigen?« Er sagte: »Ok, fünfschzehnnull!« »15:0? Das ist mir dann doch zu hoch.« »5:0!« »Wenn sie mir das schriftlich geben, unterschreibe ich an Ort und Stelle.« Nur gut, dass das verboten ist. Die Bayern schossen nur vier Tore.

Letztes Jahr Schalke, dieses Jahr Bayern München – Windecks Losglück ist fast unheimlich. Kann es jetzt noch eine Steigerung geben?

Wissen sie, ich bin ein Träumer, aber kein Fantast. Und doch wäre es fantastisch, wenn wir nächstes Jahr die erste Runde überstehen – und dann die Bayern bekommen!


Verwandte Artikel