Gerhard Tremmel über Cottbus, die Premier League und das heutige Spiel gegen Bayern

»Pele Wollitz wird seine Jungs nach vorne peitschen«

Er löste Vereinslegende Tomislav Piplica als Nummer eins im Cottbuser Tor ab und wurde 2008 zum Elfmeterhelden gegen Franck Ribéry. Grund genug, vor dem heutigen Pokalspiel einmal nachzufragen: Wie gewinnt man eigentlich gegen Bayern München, Gerhard Tremmel?

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Herr Tremmel, Sie sind gebürtiger Münchener, leben in München, haben aber auch lange für Energie gespielt. Wo schauen Sie heute das Spiel? Und wem drücken sie die Daumen? 

Der Weg in die Lausitz ist dann doch etwas zu weit, deswegen werde ich mir das ganz entspannt in meinem Wohnzimmer anschauen. Natürlich werde ich dabei Energie die Daumen drücken, schließlich hatte ich in Cottbus eine erfolgreiche Zeit. Klar ist aber auch, dass Bayern haushoher Favorit ist  und alles andere als ein klarer Sieg mich doch sehr überraschen würde. Aber unabhängig vom Ergebnis kann ein solches Spiel, gerade nach dem bitteren Abstieg in der letzten Saison, eine Euphoriewelle auslösen und einen positiven Schub für die ganze Saison geben. Und eine kleine Chance gibt es gerade im Pokal auch als Viertligist immer.

 

Wie man mit Energie gegen Bayern gewinnt, haben Sie selbst unter Beweis gestellt, als Sie am 15. März 2008 als damaliger Tabellenletzter der Bundesliga mit 2:0 als Sieger vom Platz gingen. Wie sind Ihre Erinnerungen an diesen Tag?

Das war natürlich ein rundum fantastischer Tag. Von Anfang an waren wir gut im Spiel, haben uns Chancen erspielt und sind auch relativ schnell mit 1:0 in Führung gegangen. Unser damaliger Trainer Bojan Prasnikar hat uns vor dem Spiel mit auf den Weg gegeben, dass wir mutig sein müssen und uns nicht nur hinten reinstellen sollen. Das Publikum hat das auch honoriert und die Atmosphäre im Stadion wurde immer lauter. Man spürt dann in solchen Momenten auf dem Platz, dass das ein besonderes Spiel werden könnte. Im Nachhinein war dieser Sieg ein absoluter Wendepunkt auf dem Weg zum Klassenerhalt. Danach haben wir bis zum Saisonende jedes Heimspiel gewonnen.

 

Beim Stand von 1:0 hielten Sie vor der Nordtribüne einen Elfmeter von Franck Ribéry, nachdem Luca Toni im Strafraum zu Boden gegangen war.

Ich erinnere mich daran, dass ich mich über die Entscheidung tierisch aufgeregt habe, weil das in meinen Augen eine Situation war, in der man - vorsichtig gesagt - nicht unbedingt auf den Punkt zeigen muss. Dass ich den Elfmeter dann halte, war natürlich ein absolutes Highlight. Ich wurde danach sogar ins Aktuelle Sportstudio eingeladen und war dort am gleichen Abend zu Gast, wobei ich an der Torwand allerdings kläglich versagt und jeden Versuch versemmelt habe. Das war wirklich ein erschreckend schwacher Auftritt, aber vielleicht waren die Beine einfach schon zu müde. (Lacht). 

 

Als Sie zwei Jahre zuvor zu Energie wechselten, stand noch Vereinslegende Tomislav Piplica als Nummer eins im Tor. War Ihnen bewusst, dass es aufgrund seines besonderen Stellenwertes im Club schwierig werden würde, ihn als Stammtorwart abzulösen?

In Hannover und bei Hertha BSC hatte ich ja im Konkurrenzkampf mit Jörg Sievers bzw. Christian Fiedler, die beide Ikonen in ihren Vereinen waren, schon vergleichbare Situationen erlebt. Deswegen hat mich das auch in Cottbus nicht interessiert, und ich bin mit dem klaren Ziel dorthin gegangen, die Nummer eins zu werden. Leider hat der damalige Trainer Petrik Sander sowohl in meiner ersten Saison als auch zu Beginn der zweiten überhaupt nicht auf mich gesetzt und mir teilweise Begründungen gegeben, die schwer nachzuvollziehen waren. Das war eine extrem schwierige Zeit für mich, gerade weil ich der festen Überzeugung war, besser zu sein als Piplica. Zu meinem Glück kam es dann relativ früh in der Saison 2007/08 zum Trainerwechsel hin zu Bojan Prasnikar, der mir das Vertrauen geschenkt hat. Dafür bin ich ihm sehr dankbar und ich denke, ich habe es ihm mit Leistung zurückgezahlt.

 

Wie würden Sie Prasnikar als Trainer beschreiben?

Er war ein sehr akribischer Arbeiter, der eine klare Vorstellung davon hatte, wie er uns spielen sehen wollte. Klar ist aber auch, dass die Aufgabe in Cottbus keine einfache war und er, betrachtet man die Qualität der einzelnen Spieler, mit dem Klassenerhalt 2008 das Maximale aus der Mannschaft herausgeholt hat.

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