Gerald Asamoah über seine Kindheit in Ghana und die Flüchtlingsthematik

»Nicht alle sind so wie die Täter in Köln«

Hat der Fußball mit seiner gesellschaftlichen Verantwortung sogar die Verpflichtung, ein Statement in der Flüchtlingsdebatte abzugeben und sich zu positionieren?
Das klingt mir zu sehr nach Zwang.  Ich kann auch nur für mich sprechen. Ich habe auch eine solche Geschichte, auch ich bin in ein neues Land gekommen. Deswegen ist es für mich selbstverständlich, meine Meinung zu sagen.

Auch Schalke 04 bezieht mit der Kampagne »steht auf« als Klub klar Stellung, lädt Flüchtlinge zu Spielen ein und sammelt und verteilt Sachspenden mit dem Projekt »Kumpelkiste«. Ist Schalke Vorbild für andere Vereine?
Wir leisten schon viel. Einige Spieler unternehmen auch ehrenamtlich etwas. Roman Neustädter hat zum Beispiel zuletzt Flüchtlinge in eine Halle eingeladen, mit ihnen trainiert und Geschenke überreicht. Aber andere Vereine engagieren sich auch sehr stark.

Ihr Text in dem Video zu »steht auf« ist sehr emotional. Wie ist er entstanden?
In meinem Fall ist es besser, wenn ich einfach rede. Wir hatten überlegt, ob wir einen Text vorformulieren, aber ich habe dann einfach spontan erzählt. Deswegen kommt es so authentisch rüber.

Welche Möglichkeiten haben kleinere Klubs, die nicht so im Schweinwerferlicht stehen wie Schalke?
Braucht man denn unbedingt Aufmerksamkeit, um sich zu engagieren? Es geht doch nur darum, unseren Mitmenschen zu helfen. Und nicht darum, in der Zeitung zu stehen. Als Verein ein Training anzubieten, das ist doch schon eine schöne Sache.

Inwiefern erschweren die Vorfälle in der Silvesternacht in Köln die Arbeit für jegliche Hilfsprojekte?
Es gibt jetzt natürlich mehr kritische Stimmen zu unseren Projekten. Aber man muss die Leute trotzdem überzeugen, dass nicht alle so sind wie die Täter in Köln. Die Mitarbeiter dieser Projekte auf Schalke helfen jedenfalls alle weiterhin.

Hat diese Nacht Ihre Sicht auf die Flüchtlinge verändert?
Nein, gar nicht. Die Leute, die wir begleiten und unterstützen, sind ganz anders. Egal, was in Köln passiert ist: Wir dürfen nicht alle unter Generalverdacht stellen. Es wird noch sehr, sehr viel auf uns zukommen. Und wir müssen bereit sein, damit umzugehen.