Ganz real: Dieser Gamer zockt professionell für den VfL Wolfsburg

»Die Spieler haben Angst vor mir«

Angriff aus dem Glasfaserkabel: Als erster Klub haben die Wolfsburger einen E-Sportler verpflichtet, der den Verein auch im virtuellen Raum an die Spitze schießen soll.

Bild: VFL Wolfsburg

Benedikt Saltzer, Sie wurden als erster Fifa-Spieler in Deutschland von einem Bundesligisten verpflichtet. Was sind Ihre Aufgaben beim VfL Wolfsburg?
Bei internationalen und nationalen Turnieren repräsentiere ich den Verein, spiele also im Dress des VfL und reise für mehrere Veranstaltungen im Jahr nach Wolfsburg. Zu Beginn wurde ich in einer offiziellen Pressekonferenz von Klaus Allofs als Neuzugang vorgestellt. Seitdem werde ich bei Heimspielen in das Rahmenprogramm eingebunden und spiele in der Arena gegen ausgeloste Zuschauer.

Im Alltagsgeschäft sind Sie also nicht auf dem Vereinsgelände?
Das ist nicht notwendig. Meine Trainingseinheiten kann ich von Zuhause aus absolvieren und mich online mit meinen Trainingspartnern verabreden, um Standard-Situationen zu trainieren oder an taktischen Ausrichtungen zu feilen.

Wird die Taktik nicht ohnehin von Dieter Hecking vorgegeben?
So weit ist die Kommunikation nicht verwoben. Zwar spiele ich seit der Vertragsunterzeichnung häufig mit dem VfL, aber der Trainer ruft nicht an, um mir taktische Vorgaben oder ein persönliches Trainingsprogramm zu verordnen. So trainiere ich täglich zwei bis drei Stunden und kann dadurch auch weiter meinem Studium nachgehen.

Über die Finanzierung des Studiums müssen Sie sich als E-Gamer eines Bundesligisten sicher keine Gedanken machen.
Die Preisgelder sind schon lukrativ. Der Weltmeister hat dieses Jahr 20.000 Dollar erhalten und bei den verschiedenen Deutschen Meisterschaften werden zwischen 2.000 und 10.000 Euro ausgeschüttet. Mit den Bundesliga-Spielern kann ich mich finanziell aber nicht messen, da das E-Gamer-Vertragsmodell noch in der Testphase steckt. Den Job beim VfL würde ich derzeit eher als Nebenjob bezeichnen. Allerdings wächst der Markt rasant und mit zunehmender Nachfrage und möglicher Konkurrenz werden auch die Gehälter der E-Gamer steigen.

Was hat sich für Sie sonst seit der Vertragsunterzeichnung verändert?
Es ist wirklich enorm, wie viel mediale Aufmerksamkeit der Vertrag mit sich gebracht hat. An meinem Fifa-Training hat sich dadurch eigentlich nichts geändert, außer dass der VfL mir einen ergonomischen Stuhl zur Verfügung gestellt hat. Aber durch die Berichterstattung werde ich nun häufiger erkannt und in der Uni oder in meinem Heimatverein zum Duell herausgefordert.

Nutzen die VfL-Profis Sie auch als Sparringspartner auf der Konsole?
Viele der Spieler interessieren sich für Fifa, aber es sind eher die jüngeren Spieler, die mich herausgefordert haben. Als ich beim Trainingslager dabei war, habe ich zwar alle kennengelernt, doch die meisten wollten lieber nicht gegen mich spielen. Aus Angst, auf die Mütze zu bekommen (lacht).

Wer hat sich denn getraut?
Robin Knoche und Paul Seguin haben es gewagt.

Und gab es auf die Mütze?
Robin ist ein echt starker Zocker. Mit ihm haben wir auch schon einige Aktionen zusammen durchgeführt. Man merkt ihm an, dass er schon des Öfteren gespielt hat. Hinten steht er richtig gut, nur in der Offensive ist er nicht variabel genug. Daran erkennt man, dass er ein gestandener Verteidiger ist.