Fußballprofis und der Terror in Paris

»Aktivität ist das beste Heilmittel«

Steffen Kirchner ist Sportpsychologe. Hier erklärt er, wie die Teams die Ereignisse von Paris verarbeiten sollten und welche Rolle nun insbesondere auf die französische Nationalelf zukommen könnte.

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Steffen Kirchner, welche Auswirkungen werden die Anschläge von Paris auf die französischen und deutschen Fußball-Nationalspieler haben?
Das ist für die Spieler ein leicht traumatisches Ereignis. Die Nacht im Stadion, die ganzen Ängste, die Panik drumherum. Das verändert die Kultur eines Teams.
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Wird irgendein Spieler, der in Paris dabei war, noch einmal unbelastet an ein Fußballspiel herangehen können?
Das glaube ich schon. Man war vor Ort, aber nicht wirklich betroffen, eher Zuschauer. Es bleibt im Kopf, man wird immer wieder daran zurückdenken. Aber mit etwas Abstand und einer guten sportpsychologischen Betreuung kann das gut verarbeitet werden.

Wie kann die psychologische Aufarbeitung konkret erfolgen?
Es ist wichtig, dass man solche Dinge nicht verdrängt, sondern darüber offen spricht. Man muss es im Team besprechen, es verarbeiten.

Möglichst bald?
Wenn wirklich eine tatsächliche Gefahr bestand und Angst im Spiel war, sollte man es schnell machen. Andernfalls kann man sich auch ein bisschen Zeit lassen. Dass die deutschen Spieler am Sonnabend zunächst zu ihren Familien gefahren sind, ist grundsätzlich gut, weil das Thema Verbundenheit Sicherheit gibt. Die einzige Emotion, die gegen Angst hilft, ist Verbundenheit. Das ist aber auch die Chance für eine Mannschaft.

Wie meinen Sie das?
Man fragt sich bei solchen Sachen: Was macht das alles für einen Sinn, was ich hier tue? Diesen Sinn kann man dann als Mannschaft definieren, als eine Art Transfer. Wofür spielen wir denn eigentlich? Somit kann man diese schrecklichen Vorfälle auch in etwas Positives wandeln. In den größten Schicksalsschlägen steckt auch ein großes Wachstums- und Energiepotenzial. Natürlich wird die Aufarbeitung für die Franzosen aber eine komplexere Aufgabe als für die deutschen Spieler.

Warum ist es für die deutsche Mannschaft leichter?
Aus Sicht der deutschen Fußballer würde ich die Geschichte nicht zu groß machen. Das klingt hart, aber es bringt einfach nichts. Wirklich schlimm betroffen sind die Menschen, die verletzt sind oder Angehörige verloren haben. Man kann sich auch eine Traumatisierung herbeireden. Das kann nicht nur die Leistung blockieren, sondern auch die Lebensqualität zerstören.

Was sollte Joachim Löw jetzt tun?
Er sollte ein paar intensive Gespräche mit Hans-Dieter Hermann führen, dem sehr, sehr guten Sportpsychologen der Nationalelf. Ich würde ihm mehr Raum geben für die sportpsychologische Betreuung, aber das weiß Joachim Löw sicher selber.