Fürths Stürmer Azemi über seinen Autounfall und die Folgen

»Das begreift man erst, wenn man auf den Boden gefallen ist«

Ilir Azemi, wann hatten Sie erstmals wieder einen Ball am Fuß?
Das war im Oktober letzten Jahres bei der U 23. Da durfte ich zum ersten Mal eine Passübung mitmachen. Das war eine komische Situation. Zuvor war so etwas etwas Alltägliches für mich, jetzt war es mir fremd. Aber es wurde schnell besser.

Bei Ihrem ersten Spiel, einem Testspiel mit der Reserve gegen Burgfarrnbach, sind Sie eingewechselt worden. Was ging in Ihnen vor, als Sie den Platz betreten haben?
Die Einwechslung war schon vor dem Spiel abgesprochen. Trainer Thomas Kleine redet viel mit mir, er unterstützt mich wirklich sehr. Als ich dann auf den Platz kam, war ich einfach nur erleichtert, wieder eine Chance zu bekommen und den nächsten kleinen Schritt zu machen. Es ist wichtig für mich, dass ich auch bei solchen Spielen wieder mitspiele. Immer nur zu trainieren, wird irgendwann schwierig für den Kopf.

Sie haben fünf Tore erzielt. Hätten Sie das jemals zu träumen gewagt?
Ich hatte das nicht erwartet. Egal, welcher Gegner das ist. Alle spielen leidenschaftlich Fußball und hauen sich rein. Dass da jemand kommt, der eineinhalb Jahre nicht da war und prompt fünf Tore schießt, ist alles andere als selbstverständlich. Das sind für mich die kleinen Belohnungen dafür, dass ich immer hart trainiere. Und irgendwann kommt hoffentlich eine große Belohnung: mein Comeback.

Wann ist damit zu rechnen?
Keiner kann sagen, wann das sein wird. Das raubt mir die Nerven. Aber ich arbeite jeden Tag hart dafür, wieder eine zweite Chance im Fußball zu bekommen. Bis jetzt sieht es gut aus. Ich trainiere mit der U 23 und kann dort alle Übungen problemlos mitmachen. Wann ich wieder mit den Profis trainieren kann, weiß ich nicht.

Können Sie eine Prognose wagen, Martin Meichelbeck?
Das ist aktuell noch nicht möglich. Wir sind dran, ihn an ein höheres Niveau heranzuführen. Wir müssen abwarten, wie er diesen Belastungen standhält. Klar ist unser großes Ziel, dass er wieder in den Profifußball zurückkehrt. Er macht erstaunliche Fortschritte, wir haben alle Hoffnung, dass es klappt.

Vor dem Unfall war Azemi erstaunlich gut in Form.
Das stimmt. Ilir war in der Rückrunde der damaligen Saison der beste Stürmer der 2. Liga, hat 13 Tore gemacht und war einer der Spieler, die uns die Relegation gegen den HSV ermöglicht haben. Es war sicher auf dem Weg in die Bundesliga. Er hatte auch Angebote.

Herr Azemi, im Sommer 2014 ging das Gerücht herum, Eintracht Frankfurt habe Ihnen ein Angebot gemacht?
Ja, das stimmt. Eintracht Frankfurt ist damals an die Spielvereinigung herangetreten. Aber das ist Vergangenheit, jetzt schaue ich nur nach vorne. Ich bin jetzt in Fürth und hoffe, dass ich hier wieder meine Tore schieße - nicht woanders. Im Gegensatz zur jetzigen Situation war das eine traumhafte Zeit. Aber nach guten Tagen kommen auch wieder schlechte. Jetzt ist es mein Ziel, dort wieder hinzukommen, wo ich damals war. Und dem Verein und den Verantwortlichen für die Unterstützung in den 18 Monaten etwas zurückzugeben.

Inwiefern hat der Unfall Sie verändert?
Ich bin reifer geworden und habe etwas über das Leben gelernt. Vorher habe ich  nicht alles so ernst genommen, öfters Spaß gehabt und viel mit meinen Freunden geflachst. Aber das Leben ist nicht nur Spaß, sondern auch harte Arbeit. Das begreift man erst, wenn man auf den Boden gefallen ist.