Fürths Stürmer Azemi über seinen Autounfall und die Folgen

»Es ist ein außergewöhnlicher Genesungsverlauf«

Wer hat Ihnen Kraft gegeben?
Meine Mutter, sie war immer in meiner Nähe. Auch der Rest meiner Familie, meine Freunde, der Verein und die Fans. Die ganze Fanpost kam in die Geschäftsstelle zum Verein. Die habe ich erst nach meiner Entlassung aus dem Krankenhaus bekommen. Es waren Stapel über Stapel, drei Ordner voll. Das hat mich riesig gefreut und motiviert.



Hat Ihnen auch Ihr Glaube geholfen?
In dieser Situation war es schwer, das Gute in dem Unfall zu sehen. Ich habe meinen Glauben zwar nicht in Frage gestellt, aber anfangs verliert man die Hoffnung auf alles Gute.

Wie waren die ersten Gehversuche?
Kurz bevor ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, bin ich auf Krücken durch den Flur gelaufen. Ich bin aber nicht so gerne gelaufen, weil mir recht schnell schwindlig wurde. Ich hatte die ganze Zeit gelegen, der Körper war nicht bereit. Ich habe die Belastung jeden Tag gesteigert, war ein bisschen in Bewegung und habe probiert, meinen Kreislauf in Schwung zu bekommen. Erst nach vier Monaten konnte ich die Krücken weglegen, zuvor konnte ich den Fuß einfach noch nicht belasten.

Wie ging es weiter?
Die Lungenquetschung hat mir lange ziemlich Probleme bereitet. Ich musste das Atmen wieder üben. Ich habe mehrmals täglich in eine Art Flasche gepustet, dabei musste ich einen Ballon oben halten. Das war nervig, hat mir aber sehr geholfen. Ein paar Wochen, nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, trainierte ich mit wenigen Gewichten - anfangs nur den Oberkörper, weil ich keinen Druck auf mein Bein aufbauen konnte. Drei Monate später bin ich zur Reha nach Bad Endorf gekommen.

Wie war dort Ihr Tagesablauf?
Ich habe von 9 bis 12.30 Uhr trainiert, dann hatte ich Mittagspause. Von 13.30 Uhr bis 16 Uhr hatte ich wieder Training. Jeden Tag. Ich war im Kraftraum, Radfahren und habe Stabilisationsübungen für mein Becken und mein Bein gemacht. Und ein bisschen Ausdauer trainiert. Ich konnte es nicht abwarten, wieder zu spielen und habe manchmal einfach Bälle herumgeschossen. Abends war ich zu Beginn der Reha ziemlich kaputt und wollte einfach nur schlafen. Nach einiger Zeit sind noch andere Sportler in die Rehaklinik gekommen, zum Beispiel Zsolt Korcsmar, den ich aus Fürth kannte, Steffen Jainta vom FC Ingolstadt und die Snowboardweltmeisterin Isabella Laböck. Wir haben abends dann auch mal etwas unternommen, wir sind zum Beispiel ins Kino oder zum Billard spielen gegangen. Um 21 Uhr mussten wir zurück sein.
 
Martin Meichelbeck, Sie haben in dieser Zeit auch den Vertrag mit Azemi verlängert. Warum?
Ilir ist ein Spieler aus unserer Jugend. Wir haben ihn über Jahre entwickelt. Uns war klar, dass wir ihn im Sinne unserer sozialen Verantwortung mit einem Vertrag bestärken wollen, damit er den Weg in der Reha weitergeht. Wir haben aber erst den Genesungsverlauf abgewartet, um zu beurteilen, ob ein Comeback als Profifußballer möglich werden kann.

Wie würden Sie den Heilungsprozess von Azemi beschreiben?
Der Hüft- und Beckenbereich erlitt mehrere Brüche. Der Operateur und die Chirurgen haben mir zunächst gesagt, dass es schwierig sei, mit diesen Verletzungen überhaupt wieder Sport zu treiben - geschweige denn auf Leistungssportniveau. Aber der Vergleich der beiden Hüft- und Beckenbereiche hat bei der Kernspintomographie gezeigt, dass die Brüche bei Ilir sehr gut und komplett verwachsen sind. Alle Ärzte haben mir bescheinigt, dass es ein außergewöhnlicher Genesungsverlauf ist.

Wie erklären Sie sich das?
Ilir hat eine wahnsinnige Konstitution, er ist ein 1,90 Meter großer Modellathlet. Er hat von Gott und Natur eine wunderbare Konstitution mitbekommen, die ihm geholfen hat. Ebenso wie seine Arbeit in der Reha und die Arbeit aller behandelnder Ärzte und Therapeuten, denen wir beide nur danken können.