Frank Rohde über seine Karriere zwischen Mielke und Mauer

»Ich wollte mich nicht von der Stasi missbrauchen lassen!«

Was haben Sie ihm geantwortet?
Dass er für solche Dinge an den Falschen geraten sei. Ich bin aufgestanden und gegangen. Selbstverständlich wurde ich noch gewarnt, niemanden jemals von diesem Gespräch zu erzählen. Meiner Frau berichtete ich trotzdem davon. Und die wurde auch noch sauer, als ich ihr erzählte, dass ich abgelehnt hatte: »Mensch, jetzt bekommen wir doch Probleme!«

Und man ließ Sie einfach in Ruhe?
Ein paarmal wurde ich noch angerufen und angesprochen. Ich solle mir das gut überlegen. Aber ich blieb dabei und war aus dem Schneider.

Keine Konsequenzen?
Ich kann nur für mich sprechen: Ich wurde dazu nicht gezwungen. Es ist ja kein Geheimnis, dass sich viele meiner Kollegen als IM verpflichten ließen, die Gründe dafür sind mir nicht bekannt. Ich wollte mich jedenfalls nicht als Spitzel missbrauchen lassen und diesem psychischen Druck aussetzen.

Sie wurden zwischen 1980 und 1988 neunmal Meister der DDR-Oberliga. Wie präsent war der Hass auf den erfolgreichen Stasi-Verein?
Enorm! Wo wir auch hinkamen, die Leute haben uns ausgepfiffen, niedergebrüllt oder mit Schneebällen beworfen. Uns war das egal, wir hatten eine Wahnsinnsmannschaft, haben die Gegner lang gemacht und sind mit der Nase ganz hoch wieder zurück nach Berlin. Was die Leute natürlich noch mehr auf die Palme brachte. Zumal wir ja nicht nur wegen der Meisterschaften und der Stasi verhasst waren.

Sondern?
Wir waren die verwöhnten Kicker aus Berlin. Die mit den Privilegien. Wenn wir mit unserem Bus durch den Osten tingelten, aßen wir Bananen, während die Provinzler da draußen von so was nur träumen konnten! Ich erinnere mich an ein Auswärtsspiel in Aue. Wir fuhren mit dem Bus vors Stadion, da wartete schon die Menge und tobte. Am meisten Hohn und Spott bekam traditionell unser großer Blonder, Rainer Ernst, ab. Der saß in der Reihe vor mir, aß seine Banane, stand plötzlich auf und sagte: »Die können mich mal am Arsch lecken, die Bauern!«. Dann schmiss er die Bananenschale aus der Dachluke. Die Meute hätte fast unseren Bus umgeschmissen.

Der BFC galt als das liebste Kind von Stasi-Chef Erich Mielke. Wie viel Kontakt hatten Sie zu ihm und seinen Politfreunden?
In all den Jahren tauchte er nur einmal in der Kabine auf, um uns zur Meisterschaft zu gratulieren. Dafür mussten wir nach jedem Titel eine offizielle Feier über uns ergehen lassen, die in einem schicken Hotel in der Nähe des Alexanderplatzes abgehalten wurde. Traditionell mussten wir Fußballer dort als Gastgeber hochrangige Politiker und Funktionäre an ihre Tische begleiteten. Ich habe mir deshalb keine Waffel gemacht, wir schnappten die Pappnasen, setzten sie ab, sagten »Jetzt kannste dir einen brennen«, und verzogen uns an die Bar.

Mit welchem Politer hatten Sie regelmäßig zu tun?
Günther Schabowski tauchte oft auf – und einmal auch Günter Guillaume, der größte Spion der DDR, über den Willy Brandt gestolpert war. Der wurde uns doch tatsächlich als »Kundschafter der Friedens« vorgestellt. Wir haben alle herzlich gelacht.