Lars Stindl über Gladbachs Höhenflug, Tradition und die Nationalmannschaft

»Samstag, 15:30 Uhr ist Anstoß! Das soll so bleiben«

Mit der Champions League ging für Borussia Mönchengladbachs Lars Stindl ein Traum in Erfüllung. Für die Zukunft wünscht er sich Bundesliga um 15:30 Uhr und einen Platz im Flieger nach Frankreich.

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Lars Stindl, nach dem 1:1 gegen Juventus Turin ist das Abenteuer Champions League schon wieder beendet. Wie groß ist der Kater?
Die Laune könnte natürlich besser sein. Aber trotzdem sind wir auch stolz, was wir in der Champions League geleistet haben. Wir haben gegen eine absolute Topmannschaft Europas ordentlich dagegengehalten und standen kurz vor dem ganz großen Coup, Juve zu schlagen. Am Ende sind wir dann leider nicht belohnt worden.

Sie selber hatten eine große Chance zum 2:1, vergaben aber freistehend. Wie lange hält einen eine solche Szene wach?
Ich lag jetzt nicht die ganze Nacht wach, aber natürlich bin ich selbstkritisch genug, um zu wissen, dass ich den reinmachen muss. Die Vorarbeit von Raffael war super, ich wollte den Ball gegen die Laufrichtung von Buffon ins rechte Eck köpfen, was leider nicht geklappt hat. Aber wir hatten auch davor und danach noch genug Chancen, um das Spiel zu gewinnen. Gerade nach der Roten Karte von Hernanez hat Juve allerdings auch auf Weltklasseniveau verteidigt. Das war taktisch unglaublich gut und abgezockt.

Fehlt der Borussia für die Champions League noch eine solche Abgezocktheit?
Buffon, Chiellini – das sind alles Spieler, die schon unglaublich viel in ihrer Karriere erlebt haben. Das steht dem ein oder anderen von uns natürlich erst noch bevor, und vielleicht macht sich das auch auf dem Platz bemerkbar. Aber ich finde nicht, dass die Champions League jetzt schon vorbei ist. Wir haben noch zwei Spiele, in denen es um sehr viel geht. Wer am Dienstag im Stadion war und diese Atmosphäre erlebt hat, kann sich nur auf das Spiel gegen Sevilla freuen. Da wollen wir gewinnen und uns die Chance offenhalten, in Manchester den dritten Platz zu sichern. Und nicht zuletzt sollten wir alle die beiden verbleibenden Spiele in der Champions League genießen. Wir wissen ja, wie schwer es wird, da wieder reinzukommen.

Sie sagten im Zuge Ihres Wechsels nach Gladbach, es sei »ein Traum, Champions League zu spielen«. Sehen Sie den nun als erfüllt an? Oder überwiegt die Enttäuschung?
Der Traum ist schon ein Stück weit in Erfüllung gegangen. Die Atmosphäre bei einem solchen Spiel ist genau das, wovon man als Sportler träumt und worauf man hinarbeitet. Bei der Champions League-Hymne in einem vollbesetzen Stadion hat man Gänsehaut, dann noch diese sensationelle Choreo der Fans. Wenn man mit 18 Jahren in die Bundesliga kommt, ist die Champions League höchstens irgendwo im Hinterkopf. Dass ich mir diesen Traum jetzt mit 27 Jahren erfüllen konnte, ist großartig. Auch die Erfahrung, in Turin zu spielen, war unglaublich. Man muss ja nur mal drüber nachdenken, welche großen Spieler da schon gespielt haben. Platini, Zidane, wie sie alle heißen. Oder welche großen Spieler da immer noch spielen.

Und dann kommt Ingolstadt am Wochenende. Wie stellt man sich auf so ein Kontrastprogramm ein?
Was den Klang des Namens angeht, sind das natürlich zwei verschiedene Welten. Aber ich habe Ingolstadt in dieser Saison ein paarmal live im Fernsehen gesehen und da haben sie mir immer imponiert. Die machen das richtig gut und verteidigen ganz stark. Gerade die Auswärtsbilanz kann sich sehen lassen. Wir sind uns in der Kabine einig: Ingolstadt wird eine ganz harte Nuss.

Aber gerade eben noch Champions League, Choreo und ein emotionales Spiel gegen Juve, nun das harte Brot im Ligaalltag. Ist das für den Kopf nicht schwer?
Nein. Wir können gut zwischen Bundesliga und Champions League unterscheiden. Und in der Liga haben wir mit den sechs Siegen in Folge etwas Besonderes geschafft. Diese Serie ausbauen zu wollen, ist doch schon Ansporn genug, sich in der Liga zu konzentrieren.

Apropos sechs Siege in Folge: Was ist denn eigentlich passiert in Gladbach?
(Lacht.) Das ist die meistgestellte Frage der letzten sechs Wochen.

Und haben Sie eine Erklärung?
Schwierig. Jeder Trainer geht die Dinge anders an. Nach dem Trainerwechsel hatte André Schubert zu Beginn gar nicht so viel Zeit, um alles umzukrempeln. Er hat viel mit uns geredet, dann kam das erste Spiel gegen Augsburg, wo wir nach 20 Minuten 4:0 führten. Spätestens mit dem zweiten Sieg entstand eine Euphorie, die wir seitdem aufrechterhalten haben. Abseits des Trainerwechsels haben wir uns in der Krisensituation auch als Mannschaft zusammengesetzt und gesagt: »Unabhängig vom Trainer: Es kann nicht unser Anspruch sein, unten rumzukrebsen.«